Mögliche Lightroom-Alternativen, Entscheidungshilfen und Workarounds aus meiner Sicht

Noch immer wirbelt ein Haufen Staub durch die Luft, weil Adobe die Kaufversion von Lightroom bald nicht mehr anbieten wird. Zwar kann man Lightroom 6 dann natürlich weiterhin nutzen, doch was ist mit Alternativen?

Geschätzte Lesedauer: 7 Minuten

Lightroom 6 wird so lange weiter funktionieren, so lange der Unterbau – sprich das Betriebssystem – nicht grundlegend geändert wird. Dass das jedoch passieren kann, hat man erst kürzlich wieder bei macOS 10.13 gemerkt. In einem solchen Fall würde dann evtl. auch Lightroom 6 nicht mehr funktionieren und Adobe liefert dann auch keine Updates mehr nach.

Wer nur mit JPGs fotografiert, benötigt keine Kameraprofile etc. und ist damit erst einmal sicher, wenngleich man auf einen der großen Vorteile, nämlich der Möglichkeiten, die sich aus dem RAW-Format ergeben, verzichtet. Holt man sich jedoch eine neue Kamera und setzt auf RAW, wird diese zukünftig nicht mehr unterstützt.

DNG-Converter: Workaround für Lightroom 6 RAW-Fotografen

Ein Workaround für fehlende Kameraunterstützung in Lightroom wäre der externe DNG-Konverter von Adobe. Dieser ist kostenlos und wird ständig um neue Kameramodelle und RAW-Formate ergänzt. Man kann damit die Original-RAWs zunächst in DNGs umwandeln und diese anschließend in Lightroom importieren.

Mehr Informationen, Download und eine Anleitung dazu gibt es bei Adobe.

Das ist zwar ein zusätzlicher Schritt vor dem Import, der sich aber z. B. durch einen Import Ordner (Anleitung HIER) etwas entschärfen lässt.

Lasst uns Lightroom noch einmal genau definieren

Das ist ein sehr spezieller Punkt. Es wird zwar immer von irgendwelchen Alternativen gesprochen, welche letztendlich aber keine sind. Meine Definition einer Alternative ist, dass ich damit zumindest all das machen kann, was ich bislang auch tun konnte – in der gleichen Zeit, mit gleichem Funktionsumfang, in gleicher Qualität. Eine Lernkurve gibt es immer und eine Umgewöhnung auch – das ist nicht das Thema. Das ganze Leben hat eine steile Lernkurve 🙂

Funktion 1: Bildverwaltung und Organisation

Es werden jedoch zu häufig Äpfel mit Birnen verglichen. Lightroom ist zunächst einmal eine ziemlich mächtige Bildverwaltung, die auf einer Datenbank basiert und dadurch sehr große Vorteile gegenüber der Datenhaltung im Dateisystem bringt. Virtuelle Kopien – und damit unterschiedliche Varianten desselben Fotos – verbrauchen praktisch keinen zusätzlichen Speicherplatz. Die Fotos können per nach unterschiedlichsten Eigenschaften durchsucht werden. Man kann ein und dasselbe Foto in mehreren Sammlungen anzeigen lassen, ohne dass ich eine Kopie davon benötige. Smart Sammlungen kümmern sich um eine automatische Sortierung nach vordefinierten Regeln. Das Geotagging ist eingebaut usw.

Die wichtigste Funktion ist jedoch: Ich muss mich nicht mehr um meine Verzeichnisstruktur kümmern. Im Dateisystem zu organisieren ist bei den heutigen Datenmengen einfach nicht mehr sinnvoll. Zudem birgt das viel stärker die Gefahr, dass etwas versehentlich gelöscht wird etc. (wogegen ihr natürlich alle regelmäßig Backups macht). Man muss keine Dateien umbenennen usw. Nur aus Gewohnheit im Dateisystem weiterzuwursteln kann man tun – es bringt einen aber nicht weiter.

Funktion 2: RAW-Entwicklung und nicht-destruktive Bearbeitung

Für viele ist das die Kernfunktion und der Entscheidungsgrund für Lightroom. Wenn das so ist, hat man eine große Auswahl an anderen Anwendungen zur Verfügung, denn RAW-Entwickler gibt es haufenweise. Angefangen von OpenSource bis zu kostspieligeren Lösungen wie Capture One. Diese sind aber nur RAW-Entwickler und damit keine Lightroom Alternativen. Ein schneller und zeitsparender RAW-Workflow benötigt mehr als einen RAW-Entwickler. Zudem ist Lightroom nicht-destruktiv, will heißen, man verändert niemals das Original. Man kann nichts versehentlich überspeichern.

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Robert
Gast
Robert

Nur halb zum Thema: Ich suche verzweifelt nach einem Slideshow-Programm, mit dem ich den bei LR – dzt. noch 5.6 – erstellten „Titel“ (nicht Dateiname) auch am TV anzeigen kann. (Hauptrechner steht zu weit weg, .jpegs auf HDD, gesteuert vom Laptop). Das ist früher sporadisch mit dem WMC gelungen, WMC funktioniert unter W10 aber nicht mehr.
Windows Photogalerie kann die Stehdauer nicht varieren, zeigt EXIF/IPTC Daten aber nur neben dem Bild an…. Die will ich aber nicht alle….
Ich kann nicht glauben, dass vor mir noch niemand an so etwas gedacht hat…
LG Robert, Wien

Jali
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Jali

Was meint Ihr zu Alienskin Exposure X?

Thomas Herren
Gast

DxO hat die Google Nik Collection übernommen und die U-Point Technologie bereits integriert. Das ist für mich der Weg. Mit Lightroom stimmen die Farben, insbesondere Hauttöne für NEF-Dateien einfach nicht.

John
Gast
John

Naja, XNViewMP (der Nachfolger) könnte auch als Datenbank durchgehen, denn man kann Bilder kategorisieren und dann ordnerübergreifend danach suchen. Alle Daten werden in den Metadaten der Bilddateien abgelegt und stehen allen Anwendungen zur Verfügung. Ganz so übel finde ich persönlich diesen Ansatz nicht, weil man sich damit eben nicht von einer bestimmten Software abhängig macht.

Marc
Gast
Marc

on1 hat eine super standalone software PhotoRAW 2017

Jörg
Gast

Vielen Dank für die Analyse. Ich habe mich vor einem Jahr von der Kaufversion verabschiedet und mich dem Foto-Abo zugewandt. Nach einigem Überlegen, wohlgemerkt. Da ich lange Jahre (mindestens 30 Jahre nämlich) Analogfotograf war und da jeden Monat richtig Geld für Filme ausgegeben habe, habe ich mir überlegt, was mich damals ein gutes Foto gekostet hat, und was ich heute bereit bin auszugeben. Ok, ist meine Rechnung, will damit keine Diskussion starten. Ich werde Adobe klar sagen, dass ich KEINE Cloud Version haben möchte, die mir vorschreibt, wo ich meine Bilder zu speichern habe. Den Cloud Ansatz finde ich gut,… Weiterlesen »

phantomaniac
Gast
phantomaniac

Danke für die Aufschlüsselung.

Mir geht es Primär um Bildverwaltung.
Manchmal etwas Anpassung (Entwicklung). RAWs werden ohne große Anpassung in den Katalog gepackt.
Zur Not könnte ich mich auch mit den JPEGs meiner Sony anfreunden, da ich wie gesagt kaum selber entwickle.

Als Bildverwalter könnte man noch DigiKam ins Spiel bringen… Zumindest ich werd´s mir mal anschauen (Vermutlich erst Weihnachten, wenn viel Zeit ist… ) RAW-Import soll es rudimentär geben…. Aber wie gesagt bislang nicht getestet….
Alternativ schau ich mir mal ACDSee an. (wollten die nicht auch schonmal ABO´s einführen und haben es wieder sein lassen)

Methatron
Gast
Methatron

Hallo phantomaniac,

kann die dir produkte von ACDSee empfehlen, arbeite schon lange damit seit ACDSee Pro 4 und ich halte es für eine preisgünstige alternative für Lightroom. Damals war für mich der Preis und auch die Geschwindigkeit gegenüber Lightroom ausschlaggebend.

Abo–Modelle gibt es auch bei ACDSee ab 7,95€ im Monat.

Ingo
Gast

Es gibt eine Kauf und eine Abo Version. Das Abo nennt sich ACDSee 365. Ich arbeite mit ACDSee schon seit Windows 3.1 , also von Beginn an. Anfangs als schneller Bildbetrachter, dann mit Datenbankfunktion. Mit den Pro Versionen kam dann auch RAW Bearbeitung hinzu. Geotagging hat es ebenfalls. Die Datenbank arbeitet anders als die von Lightroom. Eher so wie die von Bridge, aber deutlich umfangreicher und sehr schnell. Ich habe digitale Bilder von 1992 (Kodak Photo CD) und dann seit 1995 Fotos von Digitalkameras in ACDSee verwaltet und gebe den Katalog in jede neue Version zum Update. Es müssten so… Weiterlesen »

Robert
Gast
Robert

Matt Kloskowski meint Group 2: You have an older version of Lightroom (Lightroom 6, 5, 4…) For those of you on an older version of Lightroom, your Lightroom will continue to work as is. Nothing changes for you. Your version will still work and act just like it did when you purchased it. That said, I believe Lightroom 6 will see an update or two for new camera compatibility so keep an eye out for that Laura Shoe: Note that Lightroom 6 does not include the features introduced during the Lightroom 6 product cycle that were for Creative Cloud subscribers… Weiterlesen »

Roger
Gast
Roger

Arbeitet Luminar auch mit einer Art von XMP-Dateien und virtuellen Kopien? Ich habe DXO ausprobiert. Da gibt es zwar keinen Katalog, aber das Bewertungssystem und die Einstellungen werden als DOP-Dateien gespeichert, also ähnlich wie in Lightroom. Mein Workflow (RAW-Entwicklung, Retusche im PS oder Affinity, anschließend Look mit virtuellen Kopien) lässt sich mit DXO genauso abbilden wie mit LR

Otto
Gast
Otto

Sehr guter und objektiver Bericht!!! Für Foto-Berufler gibt es imho nur Adobe Abo oder Capture One. Capture One schlägt Lightroom als RAW Entwickler klar, kann aber Defizite bei der Bildbearbeitung gegenüber PS nicht ausgleichen. Für Sony-RAW klares PRO für Capture One weil nur 50 €. Für Foto-Amateure hast du es selbst geschrieben: Macphun und Affinity Photo. Macphun erledigt die RAW-Entwicklung und den Katalog und Affinity den Rest. Ob das klappen wird werden wir erst 2018 wissen, dann soll die DAM für Macphun Luminar kommen. Affinity RAW-Engine kann weder mit den Adobe Produkten noch mit Macphun oder Capture One mithalten. Fazit:… Weiterlesen »

Martin C.
Gast
Martin C.

Das gilt nur für Mac Kundschaft. Richtige PC Besitzer sind von den Produkten ausgeschlossen.