Yashica DigiFilm: Bin ich im falschen Film, oder verstehe ich es nur nicht?

Ja, ich bin alt! Nach vielen Jahren Fotografie mit analogen Filmen, war und ist die Digitalfotografie eine Revolution für mich. Wer aber nicht mit analogen Filmen, 36 Bildern Kleinbild und ASA400 aufgewachsen ist, findet analog „ehrlicher“ und „spannender“. Gleiches gilt auch für Tonaufnahmen auf Magnetband, der neue Konservatismus bei jungen Menschen und Tapeten im Siebzigerdesign. Das versuchen auch Firmen wie Leica der DSLR-überdrüssigen Kundschaft zu vermitteln. Der japanische Kamerahersteller Yashica hat nun bei Kickstarter eine ganz besonders – ähm, doofe – Kamera am Start. Was auch zum nachbelichtet-Post mit den meisten Anführungszeichen wurde.

Um Fotos mit einer analogen Kamera zu machen, muss man einen Film einlegen, der als „Speichermedium“ dient. Das versuchte man in den späten 90er Jahren auch mal digital mit dem E-Film von Silicon Film. Der sollte aus jeder analogen Kleinbildkamera eine Digitalkamera machen, indem man eine „digitale Filmrolle“ einlegt. Ich erinnere mich noch gut an die Diskussionen darüber in meiner damaligen Agentur, da wir damals gerade begonnen haben, uns intensiv mit Digitalkameras zu beschäftigen. E-Film war letztendlich die Definition einer Vapor-Ware und kam nie auf dem Markt.

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Nun hat man bei Yashica’s DigiFilm zunächst ähnliches im Sinn – aber weit gefehlt! Es handelt sich dabei um eine ganz normale Digitalkamera mit fest verbautem 1/3 Zoll Sensor, 35mm Objektiv und Speicherkarte, die optisch an die alte Yashica Electro 35 angelehnt scheint.

Mit dem „digitalen Kleinbildfilm“, der wie eine analoge „Filmpatrone“ eingelegt und „eingespult“ werden muss, legt man dann aber nur die ISO-Zahl, das Bildformat und den Effekt wie z. B. Schwarzweißfoto fest. Will man mit einer anderen Einstellung fotografieren, muss man den „Film“ tatsächlich erst „zurückspulen“ und eine andere „Filmpatrone“ einlegen. Absurd wird es dann mit einer „Filmpatrone“, die 6×6 Fotos für Instagram-Posts macht, oder der „schnellen“ 1600 Patrone, für schnell bewegte Motive.

Tatsächlich wurden von den angesetzten 800.000 Hongkong Dollar (etwa 86.500 Euro) für die Kickstarter-Kampagne schon 6.500.000 HK$ (etwa 700.000 Euro) finanziert.

Ich frage mich wirklich für wen diese Kamera sein soll – oder bin ich einfach nur zu alt und fantasielos?

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10 Kommentare zu “Yashica DigiFilm: Bin ich im falschen Film, oder verstehe ich es nur nicht?

  1. Moin,
    Mmhhh so blöd ist das gar nicht. Nur komisch umgesetzt. Denn wenn man mal schaut was die Analoge Fotografie ausmacht sind es doch 3 Faktoren: festgelegte ISO, Max Anzahl der Bilder und fehlende Vorschau. Das haben die schon alles umgesetzt.
    Für die Haptik gibt es halt den Pseudo Film.

    Und weil das „echte“ analoge Entwickeln teuer und Zeitintensiv ist eben der Sensor und die Speicherkarte.

    Ob das toll ist? Keine Ahnung. Wäre vielleicht mal auszuprobieren ob der Hybrid aus Analog und Digital Spaß macht.

  2. Also für meine Frau wäre das Super – weiß gar nicht was ihr hab. Es ist halt ein Mittelding zwischen Analog (Feeling) und Digital. Meine Frau mag gerne Fotografieren – aber ihr ist Analog zu „umständlich“ durch das Film entwickeln usw. – Darum hat sie eine relativ große Digitale. Ich bin mit einer Yashica Electro 35 GTS unterwegs und teilweise sehe ich die „neidischen“ blicke von ihr ?

    Mit so einer Kamera hat sie halt klein, analogfeeling und digitale bequemlichkeit in einem – Es gibt halt für jede Kamera das passende Szenario. Man muß später sehen wie „reale“ bilder damit aussehen um wirklich beurteilen zu können obs nen Deal ist oder nicht ?

  3. Ich finde das ganz witzig. Wer sich mit der grenzenlosen Knipserei nicht selbst im Griff hat, erfährt nun bewusste Reduktion und damit eine Entschleunigung. Es ist nicht neu, dass bewusste und überlegte Bilder (was hier zwangsläufig passieren muss) besser und nachhaltiger werden als im Automatikmodus runtergeknipste Bilder.

  4. Ich finde das Ganze irgendwie witzig. Ist wirklich was neues… ganz gleich ob es sinnvoll ist oder nicht. ? aber geben die Leute nicht eh immer für alles mögliche Geld aus?

  5. stimmt nicht ganz… der „film“ bringt nur die Informationen, man braucht dennoch eine sd-karte, um die fotos zu speichern…
    ich finde das projekt interessant, allerdings geht das mit dem minisensor mal gar nicht!!

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