Wer bislang den gewohnten „links nach rechts“ Aufbau eines klassischen Synthesizers, mit den Oszillatoren links, Filter in der Mitte und Hüllkurven rechts im Hinterkopf hat, muss hier etwas umlernen, denn beim Falcon geht es eher von oben nach unten.

Die Struktur eines Falcon-Multis von oben nach unten in der praktischen und übersichtlichen Tree-Ansicht

 

Ein „Oszillator“ ist beim UVI Falcon auch eher als Klangerzeuger im weitesten Sinne zu verstehen. Er kann daher nicht nur aus den üblichen Wellenformen bestehen, sondern auch Samples (AIFF, FLAC, MP3, MP4 (mit QuickTime auf Windows für MP3/MP4), REX1, REX2, SDII (Mac), WAV, WAV64, SFZ, SND, CAF), Wavetables, Slicer (mit dessen Hilfe sich Loops an den Transienten aufteilen lassen) und granulare Tonerzeuger. Ebenso gibt es FM-Oszillatoren, physical Modelling (Pluck), eine Orgel mit acht Zugriegeln und auch Drum-Elemente sind zu finden.

All das dient als Ausgangspunkt für einen Sound, der nachfolgend mit Filtern, Effekten, Modulatoren usw. verändert werden kann. Um einmal ein paar Zahlen zu nennen: Wir sprechen hier von 15 Oszillator-Typen mit sieben Sampling- und acht Synthese-Quellen. Allein der Samplermodus kann dann noch mit Slice- und Stretch Funktionen bearbeitet werden und vom französischen Soundspezialisten IRCAM kommen noch Granular, Multi Granular, Scrub und Stretch Funktionen hinzu.

Der so erzeugte Sound kann mit 82 (!!) Effekten wie EQ, Filter, Modulation etc. bearbeitet werden. Sogar einige Meter zur Soundanalyse (Spectrum Analyzer, Stimmgerät und Phasenanzeige) sind mit dabei. Die Effekte des Falcon sind von guter bis sehr guter Qualität. 23 davon kennt man bereits aus der UVI-Workstation. Den Anspruch von UVI an Falcon erkennt man aber schon daran, dass man z. B. das hauseigene Spark-Reverb (Test HIER) im Falcon findet.

Parameter können mit acht Modulationsquellen, darunter verschiedene Hüllkurven, Multi-Envelopes, Step Envelope und LFOs bearbeitet werden. Als ob das nicht schon genug wäre, kann man auch noch eigene Macros erzeugen. Aber auch hier sind wir noch nicht am Ende, denn zum Schluss können auch noch MIDI-Daten mit dem Event-Prozessor manipuliert werden. Damit lassen sich etwa Arpeggiators erstellen, aber auch MIDI-Files abspielen und ganz eigene Scripts mit der Scriptsprache LUA erzeugen.

Benutzeroberfläche und Bedienung

Damit dieser unglaubliche Funktionsumfang übersichtlich bleibt, hat UVI den Falcon erstaunlich übersichtlich halten können. Zunächst können die Hauptansichten Main, Mixer und Perf(ormance) umgeschaltet werden.

Im linken Panel befinden sich die Multi/Part Ansicht, eine Listenansicht mit einem Überblick über das aktuelle Multi sowie eine Baum-Ansicht, die gerade bei umfangreichen Patches mit vielen Parts, Layern etc. eine schnelle Übersicht über deren Struktur bietet. Die Perf-Ansicht besteht dabei aus einer Liste der im aktuellen Multi enthaltenen Parts samt schnellem Zugriff auf wichtige Einstellungen wie Part-Volumen, Pan, Ausgang, Mutes etc.

Perf-Ansicht mit einer übersichtlichen Darstellung aller Parts

Die Mixer-Ansicht bietet Zugang zum kompletten Mixer inkl. Aux-Wegen, Inserts etc. und in der Main-Ansicht findet man den Arbeitsbereich zur Klangerstellung. Dieser ist noch einmal in fünf Tabs Info, Edit, Effects, Events und Mods unterteilt.

Der Mixer mit Effekten und Aux-Wegen

Während man im Edit-Modus die eigentliche Sounderzeugung bearbeitet, bietet der Info-Bereich einen sehr angenehmen Zugriff auf die wichtigsten Parameter eines Parts. So lassen sich auch extrem umfangreiche Einstellungen über ein selbst gestaltbares Bedienpanel schnell bedienen. So kann man z. B. den Cutoff-Regler und den Delay-Mix „herauslegen“ und muss sich damit nicht immer durch alle Module kämpfen. Selbstverständlich lassen sich auch alle Parameter per MIDI-Learn an einen MIDI-Controller anlernen oder der Automation der DAW zuweisen.

Makro-Panel im Info-Modus

Im rechten Panel findet man dann schließlich noch das Preset-Verzeichnis, Oszillatoren, Effekte, Multieffekte, den Eventprozessor sowie den Browser für die Modulationsquellen.

Startet man mit einem leeren Multi, legt man im linken Panel einen neuen Part an, geht in die Main->Edit Ansicht und zieht aus dem rechten Panel im Oszillator-Browser einen oder mehrere Oszillatoren auf das Keyboard unten und erstellt damit eine oder mehrere Zonen.

Klangwelten

Virtuellen Instrumenten mit einem dermaßen großen Funktionsumfang haftet oft das Vorurteil an, dass sie alles ein bisschen, aber nichts wirklich gut können. Das kann man vom UVI Falcon absolut nicht behaupten. Die Klangerzeugung ist hervorragend. Die virtuell-analoge Fraktion klingt organisch und ohne Artefakte oder irritierendes Geschwurbel. Gerade die Wavetable-Synthese klingt hervorragend und mit den Granularfunktionen von IRCAM ergeben sich unendliche Möglichkeiten, aus Samples komplett neues und abgedrehtes Soundmaterial zu generieren.

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