Mythen und Fakten zum DNG Format und RAW-Konvertern – was ist besser?

Geschätzte Lesedauer: 4 Minuten

Warum sehen RAW-Fotos in unterschiedlichen Konvertern anders aus und ändert sich das mit DNG?

Der Grund ist ganz einfach: Es gibt keine „Standardeinstellung“ für RAW-Dateien. Ein RAW-Entwickler wie Adobe Lightroom, CaptureOne oder Nikons Capture NX2 interpretieren diese RAW-Daten nach ihren Vorgaben und diese Vorgaben sind vom Softwarehersteller vordefiniert. Darum unterscheiden sich auch die initialen Entwicklungseinstellungen verschiedener RAW-Programme zunächst. Man darf sich aber nicht täuschen lassen: Nur weil ein Schärferegler in einer Software auf 0 steht heißt das noch lange nicht, dass das Programm nicht schon im Hintergrund die Schärfe erhöht oder den Kontrast verändert hat.

Darum kommen auch häufig Aussagen wie: In der RAW-Software XY haben meine RAWs viel mehr Details als in Lightroom oder in YZ.

Der Informationsgehalt ist überall gleich und daran ändert auch das DNG-Format nichts. Wie eine Software damit umgeht und die Daten interpretiert ist eine ganz andere Sache. Manche Software macht die Erstentwicklung vielleicht gefälliger und trifft damit eher den eigenen Geschmack was aber nicht heißt, dass eine andere Anwendung das nicht grundsätzlich auch könnte, aber eben andere Voreinstellungen hat.

Unterschiede gibt aber etwa beim Entfernen von Bildrauschen. Hier hat manch anderer Softwarehersteller die besseren Rezepte und kann hier mehr erreichen. Ebenso wenn es um das letzte Quäntchen Tiefeninformationen oder Details geht. Ob das letztlich über die Bildqualität entscheidet muss jeder selbst wissen.

Sind meine Lightroom-Entwicklungseinstellungen mit DNG auch in anderen Programmen nutzbar?

Auch hier eine ganz klare Aussage: Leider nicht! Was ihr mit Lightroom entwickelt kann noch von Adobe Camera RAW (ACR) in Photoshop gelesen und interpretiert werden und umgekehrt. Andere Programme wie ACDSee, Aperture, das neue Apple Photo usw. könnte damit jedoch gar nichts anfangen … und umgekehrt.

Das liegt daran, dass das nicht Teil der DNG-Spezifikation ist. Hier wurde kein Standard für die RAW-Entwicklungseinstellungen festgelegt, den unterschiedliche Programme verstehen würden. Es wurde nur festgelegt, dass man nahezu beliebige Metadaten direkt in die DNG-Datei schreiben kann. Die eine Software kann etwas damit anfangen, die andere eben nicht.

Ich könnte eine Bildbearbeitung programmieren, welche die Musik die ich bei Spotify während der Bearbeitung gehört habe als Metadaten ins DNG schreibt und beim nächsten öffnen wieder aufruft. Eigentlich eine coole Idee, aber Lightroom würde deswegen trotzdem keine Musik spielen, da es mit diesen Metadaten nichts anfangen kann.

Standards aus den EXIF- und IPTC-Metadaten verstehen hingegen alle Anwendungen und damit werden auch Informationen wie der Titel, Stichwörter oder Beschreibungen zwischen den Anwendungen austauschbar.

Gibt es Nachteile beim DNG-Format?

Natürlich gibt es auch ein paar Nachteile bei denen jeder selbst entscheiden muss, ob damit das DNG für ihn noch interessant ist oder nicht.

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  • Manche speziellen Daten der Kamera wie z. B. die Einstellungen des Active D-Lightings von Nikon werden bei der Umwandlung ins DNG-Format entfernt. Da aber auch nur Capture NX von Nikon auch etwas damit anfangen kann, ist das für mich verschmerzlich.
  • DNGs können in den meisten RAW-Entwicklern der Kamerahersteller nicht mehr geöffnet werden. Ein Ausweg ist die Möglichkeit des DNG-Formats, auch das originale RAW zu integrieren, was aber die Datei stark vergrößert.
  • Die Umwandlung ins DNG-Format beim Import nimmt zusätzlich Zeit in Anspruch.

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Soll ich das DNG-Format in Lightroom nutzen?

Ich nutze es, weil ich keinen Vorteil darin sehe die originalen RAW-Dateien meiner Kameras zu behalten und die zusätzlichen Informationen nicht nutze. Da ich Fotos mit meinen Lightroom-Entwicklungseinstellungen auch häufig an andere Agenturen weitergeben, die ebenfalls mit Lightroom und Photoshop arbeiten, kann ich so ganz komfortabel mal schnell eine weiterhin bearbeitbare Datei verschicken und muss nicht auch noch die Sidecars mitliefern.

Auch sind DNG-Files im Gegensatz zu den RAW-Originalen oft 10-20 Prozent kleiner, da eine recht effektive verlustfreie Komprimierung eingesetzt wird. Qualitativ macht es jedoch keinerlei Unterschied ob ihr euer Herstellerformat oder DNG nutzt.

Weitere Informationen zu Sidecars, DNG und Lightroom findest du in diesem Beitrag und HIER.

Wie haltet ihr es mit dem RAW-Format und warum?

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Ralf
Gast
Ralf

Hallo in die Runde, der Blog ist ja schon etwas älter aber ich ahbe hierzu noch ene Frage.Iich bin noch Anfänger bei der Nutzung von LR CC und habe eine Frage zur Konvertierung von RAW in DNG. Zu welchem Zeitpunkt der Bearbeitung sollte dies stattfinden? Direkt beim Import oder nach der Bearbeitung? 1 Raw Bearbeitung: Wenn ich zuerst das RAW Bild bearbeite werden alle Bearbeitungsschritte in der zugehörigen XMP Datei gespeichert. Die Sicherungssoftware muss dann immer nur diese kleine Datei sichern. Wenn das bearbeitete Bild dann in das DNG Format konvertiert wird gehen hierbei die Protokolle verloren. Hierdurch sind dann… Weiterlesen »

Karl Scheidegger
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Als alter Analog-Amateur bin ich oft überfordert mit der digitalen Welt. Nachdem ich iPhoto endlich im Griff zu haben glaubte, hatte legte ich mit LR6 an, will ich doch meine bis zu 50 jährigen, endlich digitalisierten Kodachrome-Dias retten. Die Tutorials zu Lightroom sind für mich Gold Wert.
Gruss, Karl

Hans Albrecht
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Hans Albrecht

Hallo Markus, ich nehme Bezug auf Deinen Kommentar vom 29. 08. 2015. Ich verstehe Deine Aufregung nicht, Du hast mir damals geholfen, dng zu verstehen, und ich glaube, es inzwischen verstanden zu haben. Da ich immer für Klärung bin, wo es möglich ist, hier mein Verständnis zu dng, wohlgemerkt in Lightroom, weil mir eben noch kein anderes Programm untergekommen ist, das ähnlich arbeitet. In der dng-Datei werden Einstellungen für die Bildbearbeitung gespeichert, also bspw. Kontrast 0 für den Ausgangszustand. Wenn der Kontrast bspw. auf 40 % erhöht und abgespeichert wird, enthält die Datei diese beiden Einstellungen. Beim Aufrufen der dng-Datei… Weiterlesen »

Albrecht
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Albrecht

Hallo Markus, Bezug nehmend auf meinen Kommentar vom 03.09.15 folgendes: um die von mir angewendete Arbeitsweise zu nutzen, spielt die Reihenfolge eine Rolle. Ich entscheide zu Anfang, ob Funktionen, die Lr nicht bietet, erforderlich sind, konvertiere von dng in tif, nehme die Änderungen vor, und konvertiere danach sofort wieder in dng. Nun ändere ich alles, was erforderlich und in Lr möglich ist. Damit enthält die 2.dng-Datei dann sowohl den letzten Bearbeitungszustand als auch den ursprünglichen mit den extern vorgenommenen Änderungen. Frage, hat das 2-malige Konvertieren evtl. Einfluß auf die Metadaten exif und iptc ? Viele Grüße Hans p. s.: ich… Weiterlesen »

Hans Albrecht
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Hans Albrecht

Hallo Markus, nochmal zu meiner Frage vom 19. 08.2015. Um die Frage vielleicht noch deutlicher zu machen, folgendes: ich nehme meine Bilder ausschließlich im Seitenverhältnis 3:2 auf, weil damit der Chip am besten ausgenutzt wird. Zur Darstellung werden die Bilder alle auf 16:9 skaliert, hängt auch damit zusammen, weil Fernseher heute meist in 16:9 darstellen. 16:9 ist aber nicht immer der optimale Bildausschnitt, deshalb füge ich Bildern, für die 16:9 kein optimaler Bildausschnitt ist, Rahmen hinzu. Da diese Funktion in Lightroom nicht zur Verfügung steht, nutze ich in Photoshop die Funktion Bild/Skalieren/Arbeitsfläche und füge entsprechend meinen Wünschen Rahmen hinzu, die… Weiterlesen »

Hans Albrecht
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Hans Albrecht

Hallo Markus,
vielen Dank. Habe die Zusammenstellung gelesen. Ja für mein Anliegen ist nur ein Fluß ein und aus interessant. Adobe ist nicht aufgeführt, wahrscheinlich hat sich da aktuell auch nichts geändert.
Da mir der Überblick fehlt, vielleicht hast Du ihn und kannst mir zu folgendem Anliegen einen Hinweis geben:
beim Korrigieren von vertikalen Objektivverzerrungen kommt es vor, daß die breiten Seiten der Trapeze Informationen enthalten, die ich nicht durch Skalieren verlieren möchte. Deshalb möchte ich die nicht zum Bild gehörenden Flächen auf der schmalen Seite der Trapeze geeignet füllen. In Photoshop ist das möglich, aber es gibt kein out für dng.
Viele Grüße
Hans

Ralf
Gast

Moin,
„Ändert sich die Bildqualität bei der Umwandlung ins DNG-Format?“ – Darauf nein zu antworten, ist nicht richtig. Das hängt nämlich davon ab, ob verlustfreie oder verlustreiche Komprimierung eingestellt ist. Im ersten Fall stimmt es, die Qualität ändert sich nicht (sichtbar). Im zweiten Fall kann es aber speziell bei stark fehlbelichteten Aufnahmen zu sichtbaren Unterschieden kommen.
Siehe hier:
http://www.foto-kleemann.de/archives/4087

PD
Gast
PD

Folgende Anmerkungen:

Ersten: Die Integration der Metadaten ist nicht zwingend ein Vorteil, weil beim Speichern die Originaldatei verändert wird. Geht hierbei was schief (z. B. Blue-Screen während des Speichervorgangs), ist die Originaldatei futsch. Bei den Sidecar-Dateien sind dann nur die Metadaten weg. Die Wahrscheinlichkeit ist zugegebenermaßen jedoch sehr gering. Allerdings ist die Handhabung der Sidecars auch kein Problem. Solange die Dateien in Lightroom sind, kümmert sich LR darum und bei Export kann man ja immer noch DNG verwenden.

Zweitens: Unter Berücksichtigung der Lizenzmodellgebaren von Adobe glaube ich eher daran, dass ich in 20 Jahren noch meine CR2-Dateien bearbeiten kann als DNG.

Andreas
Gast

Ich bin wieder davon abgekommen, dass ich meine RAW-Dateien ins DNG-Format umwandle, denn ich will nicht Gefangener von Adobe sein. Wenn mich Adobe ärgert und auch Lightroom nur in der Mietversion anbietet, denke ich ernsthaft ans Umsteigen. Und dann nervt mich schon jetzt, dass ich meine alten DNG-Dateien womöglich nicht mehr öffnen kann.
Gruß
Andreas

Bernhard
Gast

das liegt an der Implementierung von Adobe in Lightroom.
darktable z. B. hält sich an das „read-only“-Prinzip und nutzt auch bei dng die xmp-sidecars.

Und ich gebe Dir Recht: so kann man z. B. über Prüfsummen die Unversehrtheit seiner RAWs prüfen:
https://www.bilddateien.de/fotografie/digital-backup.html

Wild Moe
Gast

Bei Pentax kann man schon in der Kamera entscheiden, ob man das Pentax eigene Raw-Format, oder DNG verwendet. Somit hat man noch nicht einmal einen zeitlichen Nachteil

Alex
Gast
Alex

Der Nachteil ist dass die Umwandlung von der eigentlicher RAW Datei ins DNG Format das Kameraprozessor belastet und manchmal, insbesondere bei Serienaufnahmen kann es zu eine kleinere „Reaktionszeit“ bzw. Bilder/Sek. aufkommen. Jedoch finde ich die Verwendung der DNG-Dateiformate ein Vorteils aus 2 Grunde: Bessere Komprimierung ohne Verlust der Qualität und schneller Bearbeitung ins Lightroom weil die Anwendung muss nicht jedesmal das proprietäre RAW Format einlesen und danach die Änderung in eine .XMP Datei nachschreiben. Zusätzlich sind inzwischen mehrere Anwendungen mit den DNG Format kompatibel.

Hans Albrecht
Gast
Hans Albrecht

Hallo Alex,
Du schreibst, inzwischen sind mehrere Anwendungen mit dem dng-Format kompatibel. Das interessiert mich sehr, weil ich eine Anwendung suche, mit der Änderungen, die in Lightroom nicht möglich sind, unter Erhalt des dng-Formates möglich sind.
Deshalb meine Frage, welche Anwendungen sind das ?
Viele Grüße
Hans