Die polnische Plugin-Schmiede PSP (Professional Sound Projects) kennen sicher viele DAW-User unter euch, denn das ist schon fast ein Klassiker: Der PSP Vintagewarmer. Mit diesem Plugin hatte sich PSP schon vor Jahren einen sehr guten Ruf erarbeitet. Die Flexibilität und der extrem natürliche Zerrcharakter dieses Multiband-Kompressors ist schon fast einzigartig.

Nun hat PSP sich an einen Klassiker gewagt und den passiven Equalizer vom Schlage eines Pultec neu interpretiert. Ich habe mir dieses interessante Plugin einmal genauer angesehen.

Dieser Beitrag wurde 2011 veröffentlicht.
Seitdem hat sich viel getan und manche Informationen und Links sind vielleicht nicht mehr aktuell!

In Zeiten vermeintlicher „Kälte“ in digitalen Produktionen, gelten klassische Equalizer, wie die passiven Modelle von Pultec, als der Heilige Gral des guten Sounds. Tatsächlich sind diese Equalizer eher als Klangveredler, denn als chirurgisches Korrekturwerkzeug zu sehen. Mit einem solchen Klassiker malt man eher mit dem breiten Pinsel und die typischen Nebeneffekte der passiven EQs, wie starker Phasengang und die Beeinflussung der Nebenbänder, machen gerade den Reiz und den besonderen Klang aus.

PSP NobleQ Equalizer - der "kleine" EQ

PSP NobleQ – Klassiker neu interpretiert

Auch wenn sich der PSP NobleQ optisch die bekannten Klangboliden anlehnt, ist der NobleQ nicht einfach eine weitere Pultec-Kopie, die größten Wert auf möglichst detailgetreue Nachbildung legt. Das ist auch gut so, denn mit dem NobleQ erhält man mehr Eingriffs- und Angriffsmöglichkeiten. So gibt es einen Hochpassfilter und der Höhenpeak- und Shelving-Filter kann sowohl zum anheben als auch absenken eingesetzt werden.

Wenn ich „mit dem NobleQ“ schreibe, meine ich eigentlich „mit den NobleQs“, denn man bekommt zwei Versionen des Plugins geliefert, die es für PC und Mac als VST, AU und RTAS-Plugin gibt. Die Installation läuft dabei absolut reibungslos. Autorisiert wird das Plugin durch ein einfaches Lizenz-File, ganz ohne nervige Dongle oder Challenge-Response Verfahren.

Ein Equalizer gekauft, zwei bekommen

Der NobleQ ist das kleinere „klassischere“ Modell mit Hochpassfilter, Bass- und Hochton-EQ sowie einem Shelving-Filter für die Höhen.Der NobleQex glänzt zudem noch mit einem Mittenband mit Glockencharakteristik.

Die ungewöhnlich gute Nachahmung von seidigen Verzerrungen des PSP, findet sich auch in den NobelQs wieder. Diese Plugins machen schon etwas mit dem Signal, wenn sie nur im Signalweg hängen und der Modus-Schalter auf „Valve“ steht. Hier wird schon ganz subtil angedickt und es kommen ein paar Obertöne hinzu. Mit dem dazugehörigen Regler lassen sich noch mehr Obertöne hinzufügen, was klanglich schon fast einem leichten Exciter-Effekt ähnelt.

PSP NobleQex Equalizer mit zusätzlichem Mittenband

Aber auch, wenn noch keinerlei weitere Einstellungen vorgenommen wurden, macht der NobleQ bereits „Klang“, denn er rundet den Höhenbereich ganz sanft ab. Wie auch bei den klassischen Vorbildern, bleibt die Filtergüte nicht konstant. Senkt man ab, wird das Band schmäler (hoher Q-Faktor), hebt man hingegen an, wird das Filterband breiter (niedriger Q-Faktor). Beide Bänder sowie Hochpass und der Shelving-Filter der Höhenregelung beeinflussen sich dabei (angenehm) hörbar und machen damit den EQ flexibler, als man es von einem solchen Prinzip glauben mag.

Die Benutzeroberfläche ist übrigens angenehm groß und gut ablesbar – das ist auch nicht bei jedem Plugin der Fall.

Wie klingts denn nun? Sound & Performance

Ich bin kein Anhänger von vermeintlich absolut detailgetreu modellierten Plugins, denn aus technischer Sicht ist das ohnehin nie ganz möglich. Ich mag Plugins, die für eine gewisse Charakteristik stehen, diese aber nicht verkrampft zu imitieren versuchen.

Für viele ist das Pultec Plugin der UAD-Karten die Referenz für diese EQ-Gattung und ich hatte diesen auch lange Zeit im Einsatz, bis ich mich dazu entschieden habe, nur noch auf native Plugins zu setzen und das bislang auch nie bereute.

Der PSP NobleQ klingt meiner Meinung nach deutlich besser als das UAD-Pendant. Die Höhenbänder sind sowas von seidig und weich, dass man auch mal richtig anheben kann, ohne dass etwas harsch oder unangenehm klingt und dann kommt noch dieser Obertonschmelz oben drauf … ganz ohne Artefakte.

Bässe lässt der NobleQ richtig voll und breit klingen, ohne dass diese groß an Definition verlieren würden. Das Mittenband des NobleQex ist nicht nur eine bloße Erweiterung. Ich frage mich, wie man bislang darauf verzichten mochte.

Der PSP NobleQ in der Praxis

Bei einer 44,1kHz/24bit Aufnahme benötigt das Plugin 1,1ms oder 47 Samples für die Berechnung, was auch gleich im Plugin mit angezeigt wird. Dank automatischen Latenzausgleichs der meisten DAWs ein sehr guter Wert, wenn man die Soundqualität betrachtet und damit eignet sich der NobleQ auch fürs Tracking.

Erstaunlich ist auch die sehr niedrige CPU-Belastung des NobleQ. Ich habe in einem Demoprojekt in Reaper 24 Spuren und dabei 14 Instanzen vom NobleQ und NobleQex eingesetzt. Mein INTEL i7 950 fühlte sich zusammen mit der MOTU 828 MK II bei 192 Samples Treibereinstellung, mit nur 6% Belastung gekitzelt. Das bedeutet, dass man den NobleQ getrost häufig einsetzen kann.

Klangbeispiel des PSP NobleQex in Reaper 4.01

Anstatt nun irgendwelche Drums als Beispiel zu nehmen, wie es gerne gemacht wird, habe ich etwas herausgesucht, auf das unser Gehör ganz besonders sensibel reagiert: Gesang. Diese Aufnahme meines Freundes Rainer, wurde mit einem billigen Bändchenmikro ohne Popfilter gemacht und klingt in der unbearbeiteten Fassung sehr belegt. Die selbe Aufnahme habe ich dann durch den NobleQex geschickt und plötzlich ging der Vorhang auf (ab 0:25 Minuten).

Das gefällt mir gut

  • Klassischer Equalizer mit moderner Ausstattung
  • Hochpassfilter
  • Extrem realistischer Röhrencharakter
  • Seidenweiche Höhen auch bei starker Anhebung
  • Niedrige CPU-Belastung
  • lächerlich preiswert
  • Für Mac und PC als VST, AU und RTAS Plugin
  • Einfache Autorisierung ohne Dongle etc.

Das gefällt mir nicht so

  • tut mir leid – ich finde nichts zu motzen!

Fazit

Mit dem NobleQ haben die Leute von PSP ganze Arbeit geleistet. Ihre Interpretation eines Klassikers unter den Equalizern ist durch die größere Flexibilität nicht nur eine Alternative zu ähnlichen Plugins, sondern setzt meiner Meinung nach einen neuen Standard in dieser Gattung – und das nicht nur im nativen Bereich.

Der Klang ist außergewöhnlich rund frei von Artefakten und trotzdem belastet dieses Plugin den Rechner kaum.

Der NobleQ macht einfach Spaß, weil fast jede Einstellung gut klingt. Sogar auf der Summe macht der EQ eine gute Figur, verrundet sanft die Mitten und veredelt die Höhen.

Bis zum 31. August 2011 bekommt man den NobleQ für lächerliche 59$ (gut 40 Euro). Der Engländer nennt sowas einen „No-Brainer“. Wer es nicht glaubt, kann sich mit der uneingeschränkten 14-Tages Demoversion selbst davon überzeugen!

[4 Flammen 4f=““]

2 Responses

  1. Siegfied

    Ich hab das Plugin mal mit meiner UAD vergleichen und bin einigermaßen angetan. Im Bassbereich klingt der PSP irgendwie „schöner“ und auch die Höhen bleiben sogar bei extremeren Einstellungen recht geschmeidig.

    Ich hab PSP eigentlich nur vom Vintage WArmer her gekannt.

    Antworten

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