So viele fotografische Techniken und Strömungen verführen uns alles einmal auszuprobieren und dabei aber den Fokus für die Richtung zu verlieren, die wir wirklich mögen und für die das Herz schlägt.

Dabei braucht man es nur wie die Rockstars machen und sein Ding durchziehen um eine eigene kreative Handschrift zu entwickeln, die dann zu wirklich kreativen Fotoideen führt.

Dieser Beitrag wurde 2010 veröffentlicht.
Seitdem hat sich viel getan und manche Informationen und Links sind vielleicht nicht mehr aktuell!

Ach ja – die Fotografie ist ein so weites Feld, dass man schon sehr viel Zeit investieren muss, um hier alle interessanten Motive und Techniken zumindest einmal ausprobieren zu können.

Immer wieder gibt es Strömungen, die sich dann durch die Blogsphäre, Social Media und sogar durch die einschlägigen Printmagazine ziehen. Der kurze Hype um die  Tilt-Shift-Fotografie hatte es ja sogar bis in einen Werbespot von T-Mobile geschafft. Andere Techniken, wie das „Camera-Tossing„, wurden in den Kulturmagazinen im Fernsehen rauf und runter gefeatured.

So viele Ideen, so wenig Zeit

Panoramafotografie, HDR- und DRI-Fotos, Langzeitbelichtungen, Timelapseaufnahmen (Zeitraffer), Makrofotografie, Landschaft, Portrait, Aktfotos, Photoshopmanipulationen im Stil von Calvin Hollywood – es gibt einfach Unmengen von Bereichen, in denen man sich als Fotograf austoben könnte. Internet und Social Media sind Segen und Fluch zugleich, weil man als interessierter Mensch einfach alles einmal ausprobieren möchte, was dort als neuer Trend propagiert wird und so ist man ständig auf der Suche nach kreativen Fotoideen.

Fotografen sind auch nur Rocker

Jetzt fotografie ich ja nicht nur, sondern bin auch Musiker – um genau zu sein: Rockmusiker. Zwar bin musikalisch sehr vielseitig interessiert und kann mich auch für Jazz, Elektronische Musik, Klassik, Pop oder Funk erwärmen, ich würde aber nie auf die Idee kommen, mit HipHop oder Jazz anzufangen. Warum nicht? Weil ich es einfach nicht kann! Auch wenn das musikalische KnowHow dazu vielleicht vorhanden wäre: Mir fehlt dazu schlichtweg das Gefühl, die Begabung und: die Leidenschaft!

Und so ist es auch mit der Fotografie. Musik ist nicht gleich Musik und auch als Fotograf ist man nicht für jeden Stil und für jede Technik wirklich geeignet. Wer etwas schüchtern ist und nur ungern offen mit Menschen umgeht, sich vielleicht auch einmal zum Affen machen kann, wird wohl nie ein guter People-Fotograf werden … und schon gleich kein Aktfotograf. Mein Buddy Jürgen Wunderlich käme wohl auch nie auf die Idee, einen Baum zu fotografieren …

Ich bin immer etwas skeptisch, wenn jemand zu mir sagt, Fotografie wäre seine Leidenschaft. Musik ist auch meine Leidenschaft – deshalb mache ich aber nicht Volksmusik (obwohl hier am meisten verdient wäre), HipHop, Ethno und Klangschalentherapie. Vielmehr möchte ich hören: Landschaftsfotografie ist meine Leidenschaft, oder Aktfotografie. Dann weiß ich: Der befasst sich mit seinem Thema und man kann hier sicher interessante Ergebnisse erwarten.

Do What U Do!

Gerade wenn es darum geht, Menschen zu fotografieren, darf man den eigenen Einfluss auf das Model nicht unterschätzen. Wenn man als Fotograf sicher auftritt und eine gewisse Lockerheit vermittelt, wird sich das auch auf das Model übertragen und man wird es letztendlich den Fotos ansehen.

Ohne eine gewisse Fähigkeit zur Abstraktion wird man auch kein guter Landschaftsfotograf werden. Das Denken in Linien und Formen ist zwar für jedes gelungene Foto wichtig, bei Landschaften aber ganz besonders.

Man kann verzweifelt versuchen, interessante Strukturen im Alltag zu finden und diese als bemerkenswertes Motiv festhalten. Vielen sieht man aber regelrecht an, wie verkrampft sie versuchen, diese Motive zu finden. Letztendlich fehlt der Blick und die Leidenschaft dafür.

Auch der Deathmetaller spielt mal Polka

Auf der anderen Seite kann es aber ab und zu nicht schaden, auch mal ein anderes Gebiet auszuprobieren. Auch ich setze mich immer wieder einmal hin und mache den Jean Michel Jarre – also Elektronische Musik im alten Stil. Das macht Spaß und ich erwarte auch gar nicht, dass dabei etwas Umwerfendes herauskommt. Vielmehr schärft es meinen Blick für meine eigentliche Musikrichtung, denn es bestärkt mich darin, dass es schon einen Bereich gibt, in dem ich gut bin und in den ich auch schon viel Zeit und Herzblut investiert habe.

Das gibt mir wiederum Kraft, mich noch mehr mit meinem „Fachgebiet“ zu beschäftigen. Erkenntnisse aus der anderen Richtung können dabei aber sehr wertvoll sein und sogar die eigentliche Leidenschaft positiv beeinflussen.

Ich bin der Meinung, man sollte es so auch bei der Fotografie halten: Ein Ausflug in eine andere Motivwelt oder fotografische Technik kann sehr gewinnbringend für das eigene fotografische Schaffen sein. Man erlernt neue Techniken und Sichtweisen. Hat man jedoch seine Sparte gefunden, sollte man diese vorantreiben.

Hinter dem Horizont gehts weiter

Es gibt oftmals einen Punkt, an dem man meint, man hätte einen Bereich wirklich ausgeschöpft und durchlebt.

Viele wenden sich an diesem Punkt anderen Motiven (oder Musikrichtungen) zu. Aber genau hinter diesem Punkt ist die echte Kreativität versteckt, die es zu entdecken gilt. Wenn man den Eindruck hat, die eigenen Fotos haben einen gewissen technischen Standard erreicht, sehen aber nun auch nur aus wie viele andere Bilder, sollte man trotzdem unbedingt weitermachen. Hinter diesem Punkt befinden sich die wirklich kreativen Ideen und damit höchst individuelle Bilder, die sich von der Masse unterscheiden.

Fotografen! Lernt von den Rockern!

Schaut euch doch mal bei den Musikern um: Da gibt es Bands wie die Rolling Stones: Man mag von ihnen halten was man will, aber sie haben ihr Ding immer durchgezogen. Ab und zu wurde in andere Richtungen geschielt, letztendlich hatten sie aber ihre Nische besetzt und sind damit seit der Bronzezeit erfolgreich.

Schaut man Bilder von Peter Lindbergh, Ansel Adams oder Helmut Newton an, sieht man, dass diese Fotografen die gleichen Rockstars vom Schlage der Stones sind: Sie haben stets „ihr Ding“ durchgezogen und damit eine eigene Handschrift hinterlassen. Hätten die sich um jedes Kameramodell und jeden Fototrend geschert, würden sie wohl auch nur in Fotoforen rumhängen, Ziegelwände fotografieren, um die Verzeichnungen des Objektivs zu bemäkeln und zu den 99% Prozent maximal durchschnittlicher Fotos gehören, die man auf Flickr sehen kann.

Wenn man diese Motivation und Leidenschaft hat, immer wieder an die Grenzen zu stoßen und trotzdem weiterzumachen, darf man das Ergebnis auch gerne Fotokunst nennen – denn diese Einstellung ist die eigentliche Kunst und dann ist man ein Fotorockstar!

Günstige Musik

9 Responses

  1. Markus

    Hi,
    Bin eben erst auf die Seite gestossen und das hier war der zweite Beitrag, den ich gelesen hab.
    Ich gehoere auch zu den “musizierenden Fotografen” und die Art und Weise wie du deine Einstellung ruebergebracht hast leuchtet sehr gut ein.
    Ich fotografiere seit 2 Jahren und in Kombination mit viel Zeit im Internet bin ich schon auf echt Vieles gestossen was man machen sollte, wie man es machen sollte und natuerlich auch einfach Vieles was man selbst wirklich spannend und interessant findet. So viel, dass man leicht die Orientierung verliert und das Gefuehl hat selbst nicht genug zu machen oder zu koennen.
    Ein sehr guter Artikel, der einen Bereich anspricht, der nicht oft erwaehnt wird und Informationen enthaelt welche ich mir oefters ins Beswusstsein rufen werde.
    Danke sehr.
    (koenntest du den hier veroeffentlichen und den Alten loeschen? danke )

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  2. Reiner

    Guter Artikel!
    Ein Ausflug in eine andere Nische der Fotografie ist immer gut, man lernt immer dazu. Wichtig ist, Interesse mitzubringen und Spaß daran zu haben. Leider vergeht vielen der Spaß wenn es nicht aufs erste mal klappt. Wer dann mit Elan immer weiter macht um seine Bilder zu verbessern, ist auf dem richtigen Weg!

    Gruß, Reiner

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  3. Willy

    Hi Markus,

    Da fällt mir nicht recht viel mehr ein, als: Ein toller Artikel, der mir selbst auch einige Denkanstösse gibt, wie und wo es mit mir und meiner eigenen Fotografiererei weitergeht.

    Meine Nischen habe ich schon gefunden ( denke ich zumindest ) .. aber vielleicht macht es tatsächlich auch Sinn, mal etwas über den eigenen Tellerrand zu schauen und andere Dinge zu versuchen .. und wenn es nur darum geht zu erkennen, dass man sich in „seiner“ Nische doch eben wohler fühlt.

    Weiter so!

    /Willy

    Antworten
  4. DasMaddin

    Ich sage schon immer, dass Rocker (oder Metaller) ein besonderes Volk sind, von denen man lernen kann und sollte!

    Aber auch ich befinde mich im Moment noch in der promisken Phase der Selbstfindung als Fotograf, jedoch scheint sich ein Bereich heraus zu kristallisieren, der mir sehr viel Spaß macht.

    Übrigens: Erstaunlich ist, dass gerade viele Musiker, die mit der Musik aufgehört (mich eingeschlossen), oder es zumindest auf ein sehr seltenes Hobby reduziert haben, mit dem Fotografieren begonnen haben.. und alle (die ich kenne) zu den besseren Fotografen gehören.. Ein interessanter Zusammenhang..

    Toller Artikel!

    M.

    Antworten
  5. Ulli

    Hallo Markus,
    starke, richtungweisende Worte! Die kann und sollte sich jeder an den Spiegel klemmen.

    LG
    Ulli

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  6. stefan

    Hi Markus,
    ein wirklich spitzenmässiger Artikel ist Dir hier gelungen (flattred), in dem meiner Ansicht nach viel Wahres steckt.
    Bis man den Bereich identifiziert hat, für den man wirklich leidenschaftlich brennt, kann es eine Weile dauern – und solange wird man sich mit den eigenen durchschnittlichen „Werken“ herumschlagen müssen 😉 Das wichtigste bei kreativem Arbeiten ist eine unverkrampfte Herangehensweise, die von Neugier und Experimentierfreude geprägt ist – wie Du sehr schön formulierst ist es wichtig, mal was neues zu probieren, aber eben genauso wichtig ist’s, etwas das einem wenig gibt oder nicht liegt auch sein zu lassen.

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