Viele von uns haben nicht nur einen Rechner, an dem sie mit Lightroom arbeiten möchten, sondern auch noch ein Notebook etc. Die Creative Cloud Lizenzierung erlaubt es grundsätzlich 2 aktive Lightroom-Installationen zu haben, welche jederzeit deaktiviert und auf einem anderen Rechner wieder aktiviert werden können. Wie erhält man aber von allen Rechnern Zugriff auf einen einzigen Lightroom-Katalog. Ich zeige euch ein paar Möglichkeiten.

Ein paar Grundlagen zum Thema Bildverwaltung und DAM

Wenn es um Lightroom geht, gibt es immer wieder Missverständnisse darüber, das Lightroom eigentlich ist. Lightroom ist zunächst eine sehr umfangreiche Bildverwaltungslösung für den Einzelplatz mit angedockter Bearbeitungsfunktion für RAW- und andere Bildformate.

Grundlage für den Lightroom Katalog ist eine Datenbank. Lightroom setzt dabei auf eine sehr leichtgewichtige Open-Source Datenbank, die sich SQLite nennt. Diese muss nicht aufwändig installiert werden oder als Systemdienst laufen und ist damit ideal für die Datenhaltung von Anwendungen geeignet, auf die nur ein Nutzer Zugriff hat, denn es fehlen ihr die Funktionen, die es für eine Mehrbenutzeranwendung braucht (Transaktionsfähigkeiten, Locking etc.).

Adobe lässt aus diesem Grund nicht zu, dass man den aktiven Katalog auf ein Netzlaufwerk speichert. Aber auch Performance-Gründe sprechen dagegen, denn bei jedem kleinen Ruckler an einem Regler bei der Bearbeitung, wird dessen neuer Wert in die Datenbank geschrieben. Das würde selbst in einem gut eingerichteten Gigabit-Netzwerk deutlich länger dauern, als auf einer lokalen Festplatte.

Wenn man mehreren Benutzern Zugriff auf die gleiche Bilderdatenbank geben möchte (z. B. in Werbeagenturen, Redaktionen, PR-Abteilungen etc.), spricht man von einem DAM-System (Digital Asset Management). Solche Systeme können Bilder und Lizenzen verwalten, geben geregelten Zugriff auf die Inhalte, haben leistungsfähige Suchfunktionen, Versionierung etc. Sie sind aber auch teuer UND sie haben keine oder nur rudimentäre Bearbeitungsfunktionen. Wer Bilder erstellt und bearbeitet, nutzt meistens auch Programme wie Lightroom, Photoshop etc. Nach der Bearbeitung werden die Daten dann in das DAM „eingecheckt“ und damit stehen sie den Benutzern zur Verfügung.

pixx,io DAM-System

DAM-Systeme beginnen bei einem mittleren 5-stelligen Eurobetrag. Es gibt aber auch Systeme wie z. B. Pixx.io, welche solche Bildverwaltungssysteme als Service anbieten.

Jetzt könnte man meinen, nur Adobe würde es nicht auf die Reihe bringen (wollen), dass der LR-Katalog im netzwerkfähig wird. Tatsächlich ist mir aber auch kein anderer Hersteller bekannt, der eine echte Bildverwaltung mit Katalogsystem UND einen vollständigen RAW-Entwickler anbieten würde. Auch ACDSee oder Capture One erlauben keinen konkurrierenden Zugriff auf eine Datenbank (einen Katalog).

Wie kann man den Zugriff von unterschiedlichen Rechnern auf den Lightroom-Katalog trotzdem ermöglichen?

Möglichkeit 1: Der einfache Weg mit einer externen Festplatte

Der einfachste Weg einen Lightroom Katalog an mehreren Rechnern zu nutzen ist es, Katalog und Fotos auf einer externen USB 3.0 Festplatte zu speichern. USB 3.0 ist schnell genug, um eine anständige Bedienung zu gewährleisten. Wählt man ein kompaktes 2,5 Zoll Modell, braucht man nur ein USB-Kabel und muss nicht auch noch ein Netzteil mitschleppen.

Man kann die Festplatte jederzeit vom einen Rechner abstecken und mit dem anderen Rechner verbinden. Alle Daten bleiben konsistent und es bedarf keinerlei Workarounds. Presets können entweder mit dem Katalog gespeichert werden (Voreinstellungen -> Vorgaben ->Vorgaben mit diesem Katalog sichern) oder z. B. per Dropbox, OneDrive, Googledrive etc. zwischen den Rechnern synchronisiert werden.

Allerdings muss man darauf achten, dass die externe Festplatte auch regelmäßig ein Backup erhält, was eine gewisse Disziplin oder einen sehr ausgeklügelten Backup-Plan erfordert. Die Gefahr, dass eine externe Festplatte herunterfällt, verloren geht oder das Dateisystem fehlerhaft wird ist relativ groß.

Vorteile:

+ Einfach
+ preiswert
+ man muss keine Synchronisation abwarten

Nachteile:

– externe Festplatten sind langsamer als z. B. interne SSDs
– das Dateisystem kann schneller korrupt werden
– die Gefahr durch physische Zerstörung ist größer
– Backup sind schwieriger

Möglichkeit 2: Externe Festplatte mit temporärem Katalog

Selten benötigt man ja den gesamten Katalog an einem anderen Rechner. Meisten geht es eher darum, bestimmte Bilder zur Bearbeitung oder Präsentation zur Verfügung zu haben. Hier kann man die benötigten Fotos als neuen Katalog auf die externe Festplatte exportieren. Am anderen Rechner hat man dann alle Möglichkeiten und Fotos als Kopie zur Verfügung. Das ist schon einmal sicherer, weil man die Fotos doppelt hat und kein zusätzliches Backup von der externen Festplatte machen muss.

Sammlungen als neuen Katalog exportieren

Wurden die Fotos am anderen Rechner und mit dem temporären Katalog bearbeitet, kann man sie anschließend wieder in den Hauptkatalog importieren. Wie das funktioniert, habe ich HIER beschrieben.

Vorteile:

+ Einfach
+ preiswert
+ sicher, weil eine zusätzliche Kopie der Fotos vorhanden ist

Nachteile:

– Export/Import benötigt (je nach Anzahl der Fotos) etwas Zeit

 

Möglichkeit 3: Lightroom CC mit Creative Cloud Sync

Wenn man Lightroom mit dem Creative Cloud Abo nutzt, kann man Fotos mit Lightroom Online automatisch synchronisieren lassen. Damit kann man zwar nicht die lokalen Kataloge von zwei (oder mehr) Rechnern synchron halten, aber man hat über den Lightroom Web-Client Zugriff auf die synchonisierten Fotos, kann sie ansehen, sortieren, bewerten und auch einfachere Bearbeitungen sind möglich.

Zudem lassen sich Fotos auch herunterladen, für andere freigeben und sie können auf Facebook, Twitter etc. geteilt werden.

Vorteile:

+ Einfache Handhabung, da offizielle Lightroom Funktion
+ Nutzung von jedem Rechner ohne weitere Lizenzen möglich
+ Freigabe und Sharing möglich
+ 20 GB Online-Speicherplatz inklusive
+ Lightroom-Apps für iOS und Android sind mit eingebunden

Nachteile:

– Kosten für das Creative Cloud Abo
– abgespeckte Bearbeitungsfunktionen
– Synchronisierungsdauer von Internetanbindung abhängig

Auf der nächsten Seite geht es weiter

3 Responses

  1. Peter Obermeier

    Danke für die Tipps. 🙂 Welche Remote Desktop App benutzt Du/Sie auf dem iPad? Ich nutze Teleport schon lange, aber im Touchmode funktioniert der Apple Pencil nicht.

    Antworten
  2. jochenbakeJochen

    Ich verwende schon länger die Dropbox um die Daten synchron zu halten. Ich meine mich aber zu erinnern, das bei OneDrive mal eine Fehlermeldung kam das nur eine bestimmte Anzahl von Dateien synchronisiert werden können. Wer seine Fotos und den Lightroom Katalog in OneDrive ablegt könnte Probleme bekommen. Allerdings synchronisiere ich mit dem Lightroom Katalog auch die Smart Vorschauen mit. Sollte es inzwischen keine Beschränkung geben, würde ich überlegen meinen Dropbox Account zu kündigen.

    Antworten
  3. Markus

    Und etwas wurde ganz vergessen. Vor einiger Zeit wurde ich mit einem iPad bestückt (Gewinn bei einer Verlosung). Als echter Nicht-Apple-Fan wollte ich mal schauen, was damit geht. Nicht viel und die Bedienung mag ich immer noch nicht verstehen, ABER das iPad ist mittlerweile fester Bestandteil meines FotoWorkflows und damit hat sich LR bei mir in letzter Sekunde gerettet.

    Wie geht´s .. an einem Rechner importiere ich die Bilder. Danach wird der Sync angeworfen und der Rechner wird wieder ausgeschalten. Dank Adobe Cloud sind dann die Bilder als Smart-Preview auf dem iPad. Meine Bildredaktion (mache ich meist nicht selbst, sondern meine Frau) kann dann auf dem iPad die Bilder bewerten und aussortueren. Paprallel oder danach nehme ich das iPad und bearbeite die Basiskorrekturen. Wenn alles fertig ist, wird der Rechner für den Export und die Auslieferung wieder eingeschalten.

    Während der „kreativen“ Phase können mehrere an den Daten arbeiten und ich kann auch mit dem Kunden zusammen die Ergebnisse durchsprechen. Wir sind am Wochenende oft unterwegs und dank der lokalen Kopien auf dem iPad können wir jetzt dann etwas machen, wenn es sich zeitlich anbietet. Dieses Vorgehen würde sich auch für Teams anbieten.

    Und ganz nebenbei macht am iPad das bearbeiten wieder Spaß, weil es sehr viel flüssiger geht.

    Antworten

Und jetzt seid ihr dran! Schreibt doch einen Kommentar!

Mit gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links zu Amazon