Wie heißt es in der IT: Kein Backup? Kein Mitleid!

Tatsächlich habe ich es schon sehr oft erlebt, dass mich Freunde und Bekannte aufgeregt anrufen, wenn auf einmal – aus welchen Gründen auch immer – die Daten weg sind. Erst dann wird vielen überhaupt bewusst, das vieles davon unwiederbringlich verloren ist. Hätten sie mal lieber regelmäßig Backups gemacht. Aber was ist überhaupt ein „sicheres“ Backup und warum ist ein NAS oder eine einfache externe Festplatte keines? Das werde ich in (voraussichtlich) zwei Beiträgen erklären und Tipps geben.

Habt ihr wichtige Daten auf eurem Rechner? Nein? Dann könnt ihr gleich aufhören zu lesen! Was ist aber mit den Kinderfotos von der Einschulung? Euren Hochzeitsbildern? Der MP3 Sammlung, die über viele Jahre kuratiert wurde? Oder einfach euer mühsam aufgesetztes und konfiguriertes System? Auch Kleinbetriebe und Einmann-Firmen haben Rechnungen, Steuerunterlagen, Mailverkehr (Outlook) und vieles mehr was wichtig ist.

Wenn man darüber nachdenkt, hat jeder wohl irgendwelche Daten auf dem Rechner, die irgendwie schon sehr wichtig sind. Der Rechner läuft ja auch immer schön und es ist noch nie was passiert …

Ups, warum bootet der Rechner denn nicht mehr? Oh, die Festplatte wird nicht mehr erkannt! Heute sind es aber auch Viren und Ransomware, die sich durch Festplatten fressen und mittlerweile am häufigsten für Datenverlust sorgen. Das unbedachte Öffnen eines PDFs genügt.

Man sollte aber auch den Menschen als größte Fehlerquelle nicht außer Acht lassen. Schnell ist mal versehentlich ein Ordner gelöscht und der Papierkorb wurde schon zigmal geleert, bis man es überhaupt bemerkt hat. Oder wäre es nicht schön, wenn man die Version der Diplomarbeit von letzter Woche nochmal zurückholen könnte?

Ich hatte vor einigen Jahren hier einen Blitzschlag, der direkt das Haus traf und sich über die Strom- und Netzwerkkabel verbreitet hat. Am Ende war alles nur noch Elektroschrott. Es hätte aber auch das Haus abbrennen können. Was hilft gegen diese meist recht abstrakten Ereignisse, die aber jeden jederzeit Treffen können? Das alles werden wir hier besprechen.

Was ist ein Backup?

Klar kann man sagen, dass ein schlechtes Backup immer noch besser ist als gar keines. Eine externe Festplatte am Rechner auf die man Daten mehr oder minder regelmäßig per Hand kopiert, ist aber kein Backup, sondern eine Kopie von Daten. Man kann das Kopieren komplett oder versehentlich einzelne Dateien vergessen. Man kann intakte Daten durch fehlerhafte Dateien überschreiben etc.

Ein echtes Backup startet automatisch, entweder durch einen Zeitplan oder durch bestimmte Ereignisse (Rechnerstart etc.). Die Daten werden dabei auch auf einen externen Datenträger kopiert und der Vorgang geprüft. Es besteht auch aus mehreren fortlaufenden inkrementellen oder differentiellen Backups (was das ist, erkläre ich später noch) und möglichst auch aus mehreren Backup-Laufwerken (Generationen-Prinzip). Im Falle eines Falles, sollte sich das Backup auch einfach auf eine neue Festplatte oder ein komplett neues System rücksichern lassen.

Unter Windows 7 gibt es als Bordmittel das Sicherungs- und Wiederherstellungstool. Bei Windows 8 und 10 den Dateiversionsverlauf und Mac-User können auf Time Machine zurückgreifen. Wie das funktioniert, könnt ihr an etlichen Stellen im Netz nachlesen. Hier soll es um das grundsätzliche Verständnis für Backups gehen.

Dateiversionsverlauf von Windows 10

Den Zeitplan bestimmt ihr danach, wie oft und wann ihr euren Rechner normalerweise nutzt. Wer nur am Wochenende ein paar Bilder bearbeitet, sichert eben jeden Sonntagabend. Wer professionell und beruflich damit arbeitet, sichert besser täglich nach getaner Arbeit.

Mit einer externen Festplatte habt ihr so eine Sicherung eurer wichtigsten Daten. Die externe Festplatte hängt aber erfahrungsgemäß immer am Rechner und darum ist diese Variante zwar ein Backup, aber höchst unsicher! Der Überstrom aus der Steckdose kann Rechner und Festplatte mit ins Nirwana nehmen. Der Virus sieht das externe Laufwerk und verschlüsselt das Backup auch gleich mit. Wenn das Haus brennt ist auch beides weg.

Nun mag mancher sagen: „Wenn das Haus abgebrannt ist habe ich andere Sorgen als meine Daten!“. Wie sieht es denn mit den Fotos auf der Festplatte aus, die zum Nachweis vorhandener Einrichtung bei der Versicherung dienen können? Vielleicht würde man danach auch gerne wissen, wie es früher ausgesehen hat? Das ist natürlich ein Extremfall, den hoffentlich niemand von euch erleben muss. Ich möchte damit aber nur dafür sensibilisieren, an was wir denken sollten.

Was ist ein sicheres Backup?

EINE Sicherung auf EINER Festplatte ist also kein sicheres Backup. Viel sicherer wird es schon, wenn ihr die Sicherung abwechselnd auf zwei unterschiedliche Platten macht und eine davon ins Regal stellt. Wenn der Virus, Hardware-Defekt, Überspannung etc. Rechner und das angeschlossene Backup-Laufwerk dahinrafft, habt ihr ein intaktes Backup zur Verfügung. Das ist zwar vielleicht nicht ganz aktuell (je nach Sicherungsplan), aber der größte Teil der Daten ist noch da.

Richtig sicher wird dieses System, wenn eine dieser Festplatte nicht mehr in der Wohnung oder im Haus aufbewahrt wird, sondern irgendwo außerhalb – z. B. im Rollcontainer am Arbeitsplatz, bei Eltern oder Freunden oder in einem Bankschließfach. Hier kann man auch eine dritte externe Festplatte nutzen, die eben nur alle zwei oder vier Wochen rollierend eine neue Sicherung bekommt und außer Haus geht.

Festplattenparade

Das alles ist heute nicht mehr mit großen Kosten verbunden, denn schnelle USB3.0 Festplatten mit 2 TB Kapazität, gibt es (Stand heute) für etwa 75 Euro.

Windows-Nutzer bekommen eine echte und leistungsfähige Backup-Software sogar kostenlos. Eine sehr gute Freeware ist Macrium Reflect, welche auch bei mir im Einsatz ist. Die kostenlose Version ermöglicht aber nur sog. Image-Backups, also Abbilder einer kompletten Festplatte oder Partition. Für Laien kann aber gerade das ein großer Vorteil sein, weil viele gar nicht so genau wissen, wo alle wichtigen Daten auf der oder den Festplatten verstreut liegen.

Sichert man auch die die Festplatte, auf der sich Windows befindet („C-Laufwerk“), dann kann man damit auch das komplette System mit allen Einstellungen, Daten und Programmen auch auf eine neue Festplatte oder einen neuen Rechner übertragen. Die kostenpflichtige Home-Version von Macrium Reflect kann aber auch einzelne Verzeichnisse oder Dateien sichern.

Eine weitere Empfehlung – und auch bei mir seit vielen Jahren im Einsatz – ist Ashampoo Backup Pro. Das hieß früher Ocster Backup Pro und wurde von Ashampoo gekauft. Mit 39,90 Euro ist es sehr preiswert, kann einzelne Verzeichnisse und Dateien, aber auch Image-Backups sichern. Momentan könnt ihr die Version 11 für 15,99€ erstehen! (eine Testversion

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4 Responses

  1. K.-D. Franzke

    Ein sehr interessanter Start in die Führung eines sicheren Backup! Sehr schön auch, das die „Spiegelung“ von Festplatten mal als nicht geeignet für Backup entlarvt wird. Meine Empfehlung ist der kostenlose BackUp Maker von ASCOMP Software GmbH.
    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung des Artikels!

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