Seit über zwei Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema 3D-Druck. Begonnen habe ich mit einem XYZ Da Vinci 1.0a, den ich recht bald mit einer alternativen Firmware bestückt habe. Nun war es Zeit für ein Upgrade. Ich habe den Da Vinci verkauft und mich für einen Wanhao Duplicator 6 entschieden.

Eine sehr gute Wahl, wie sich schnell herausstellte. Zudem konnte ich den Wanhao Duplicator 6 bei Amazon inkl. der Acrylglas Seitenteile und Abdeckungen (wichtig für den Druck von ABS) für 799 Euro ergattern.

Was waren meine Auswahlkriterien für den neuen 3D-Drucker?

Aus den Erfahrungen mit dem XYZ Da Vinci ergaben sich prinzipiell auch meine Vorgaben für den neuen 3D-Drucker. Der Da Vinci hat ein sehr großes Gehäuse, was aber nicht wirklich notwendig wäre. Es besteht aus Kunststoff mit Stahlblechen zur Verstärkung, allerdings ist es nicht gerade sehr verwindungssteif und neigt zu Resonanzen. Daher ist der Da Vinci recht laut. Auch die Steifigkeit ist – im Vergleich zum Duplicator 6 – sehr viel geringer.


Ein Vorteil des geschlossenen Bauraums ist aber, dass man damit problemlos auch ABS-Filament drucken kann, da der Bauraum temperiert und vor Zugluft geschützt ist. ABS ist hier sehr empfindlich, verzieht sich beim Druck oder löst sich gar während des Drucks vom Druckbett.

Das maximale Volumen sollte wieder bei 200 x 200 x 200 Millimetern liegen und das Hotend (die beheizte Druckdüse) sollte nicht nur mit ABS und PLA, sondern auch mit anderen Materialien zurechtkommen. Er sollte Schichtdicken von 0,1 mm beherrschen, denn einer meiner Hauptgründe für den Kauf eines neuen 3D-Druckers war der Wunsch nach höherer Genauigkeit und besseren Oberflächen.

Der Wanhao Duplicator 6 – ein Zortax M200 Klon

Der Wanhao Duplicator 6 sieht dem bekannten, und mehr als doppelt so teuren Zortax M200 sehr ähnlich. Tatsächlich handelt es sich beim Duplicator 6 um einen Nachbau dieses 3D-Druckers, was den Aufbau und die Mechanik betrifft. Allerdings muss man auch sagen, dass der Zortax wiederum sehr stark an das mechanische Design des Ultimakers angeleht ist, sodass man praktisch den identischen Aufbau hat. Grundsätzlich würde ich auch sagen, dass 3D-Drucker, bei denen sich das Druckbett nur in Z-Richtung (rauf-runter) bewegt, grundsätzlich bessere Ergebnisse liefern. Das massive Alugehäuse macht einen sehr stabilen Eindruck und ist sehr verwindungssteif – eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen 3D-Drucker. Kein Vergleich zu Druckern wie den CTC Bizer etc.

Druckkopfführung

Da die Firmware des Duplicators durch eine alternative Version (Marlin) ersetzt werden kann, ergeben sich allein schon dadurch sehr viel mehr Möglichkeiten. So kann man mit wenig Aufwand eine automatische Druckbettkalibrierung nachrüsten, die vor jedem Druck die Druckplattform einmisst und damit immer für perfekte Kalibrierung und Drucke sorgt. Hierzu benötigt man nur einen kapazitiven Näherungssensor, denn es bei Ebay für knapp 7 Euro gibt, eine Halterung, die man selbst drucken kann, einem 5V Festspannungsregler, sowie etwas Erfahrung mit dem Lötkolben.

kapazitiver Näherungsschalter mit Halterung für die automatische Kalibrierung

Aber auch ohne diese automatische Kalibrierung sind die Druckergebnisse mehr als überzeugend und selbst in der Preisklasse über 2000 Euro (Ultimaker +) bekommt man keine besseren und genaueren Drucke.

Das MK10 Hotend mit seinem großen Thermoblock macht einen sehr guten Eindruck. Es gibt auswechselbare Düsen, auch mit kleineren oder größeren Durchmessern, und ich hatte bislang keinerlei Probleme mit Cloaking (Verstopfung der Düsen) etc. Es gibt mittlerweile jedoch auch ein alternatives Hotend von Micro Swiss, das komplett aus Metall ist (also ohne PTFE-Schlauch im Inneren) und wohl noch besserer Druckergebnisse liefern soll. Es kostet ca. 70 Euro und ist damit einen Versuch wert.

MK10 Hotend

Sehr gut ist der komplett autarke Betrieb des Duplicator 6, denn der G-Code mit den Druckdaten kann auf einer SD-Karte gespeichert werden, die sich direkt am Bedienteil des Druckers einstecken lässt. Natürlich kann man den Drucker auch direkt über die USB-Schnittstelle ansteuern und damit auch Lösungen wie Octoprint auf einem Raspberry Pi nutzen. Hier ein Video zu meinen 3D-Druck Erfahrungen (noch mit dem XYZ DaVinci):

Problemchen und Erfahrungen

Leider trat gleich beim ersten Testlauf etwas Ernüchterung ein, denn der Drucker lief nicht richtig. Die Z-Achse, bewegte sich nur zögerlich und kraftlos, sodass sie noch nicht einmal den Schalter für die 0-Position des Druckbetts anfahren konnte. Schnell einen der beiliegenden Inbusschlüssel gezückt und die Bodenplatte abgenommen, die den Blick auf die Elektronik des Duplicators freigibt. Siehe da: die Steckverbindung des Schrittmotors, der die Z-Achse bewegt, war nicht richtig aufgesteckt oder hatte sich gelöst. Stecker rein, mit etwas Heißkleber gesichert und der Drucker bewegte sich wie er soll. Zumindest fast …

… denn die Z-Achse hatte auch deutliches Spiel, das auch beim Richtungswechsel hörbar wurde. Der Grund hierfür waren etliche lose Schrauben der Gleitlager und der Gewindebuchse. Hier zeigt sich, dass eine Endkontrolle in China noch keine selbstverständliche Sache ist – das wäre sonst sofort aufgefallen. Allerdings sind das auch Problemchen, die man schnell lösen kann und wer sich mit 3D-Druck beschäftigen will, sollte so etwas auch lösen können.

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3 Responses

  1. Carsten Winter

    Na toll. Jetzt will ich auch einen 3D-Drucker. Vielen Dank! 😉

    Spaß beiseite. Ein lehrreicher Bericht, der neugierig macht und interessante Aspekte anspricht, die sicherlich gerade Neulinge im 3D-Druck, wie mich, zum Verzweifeln bringen könnten.

    Mich würde mal interessieren, was du genau alles damit druckst (oder drucken wirst). Gerade im Fotografie-Bereich gibt es ja sicherlich tolle Einsatzmöglichkeiten für selbsterstelltes Zubehör. Hast du da Linktipps oder eigene Bauten? Dieses Thema schreit förmlich nach mehr Futter! 🙂

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