Auch beim Umbau und der Renovierung eines Hauses gibt es jede Menge zu planen. Unser neues Zuhause wird derzeit fast auf einen Rohbau zurückgesetzt und ist dabei nicht weit von einem Neubau entfernt. Ein großer und sehr komplexer Teil der Planung betrifft die Elektroinstallation. Natürlich setzen wir dabei auf die modernen Möglichkeiten der Haussteuerung und bauen damit ein Smart Home.

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Smarthome – das ist auch so ein Wort, das durch sämtliche Schlagzeilen getrieben wird. Es gibt jede Menge Systeme. Angefangen von einfachen funkgesteuerten Heizungsreglern und schaltbaren Steckdosen, wie sie z. B. von ELV angeboten werden, bis hin zu ausgewachsenen und professionellen Bus-Systemen mit fester Verkabelung. Von Anfang an war klar, dass wir uns für letzteres entscheiden werden, da eine Kabelverbindung noch immer sehr viel zuverlässiger ist, als eine Funkverbindung. Schließlich geht es nicht um Spielereien, sondern um wesentliche Funktionen im Haus.

Warum überhaupt ein Smart Home oder eine Haussteuerung?

Was für viele zunächst nach Spielerei klingt, hat tatsächlich handfeste Vorteile. Mit dem richtigen System spart man sich z. B. schon einmal viele Lichtschalter. Man muss sich erst einmal mit dem Gedanken auseinandersetzen, stellt dann aber schnell fest, dass man auf viele manuelle Schalter eigentlich verzichten kann.

LCN Tastenfeld mit TFT-Display (Bild: LCN.com)

LCN Tastenfeld mit TFT-Display (Bild: LCN.com)

Wir haben einen Flur mit 7 angrenzenden Zimmern über die komplette Hauslänge. Eine traditionelle Installation würde bei jeder Zimmertür einen Lichtschalter setzen – entweder per Wechselschaltung oder Eltako. Wir decken diesen gesamten Bereich mit Bewegungsmelder bzw. Präsenzmeldern ab. Das könnte man sicher auch mit normalen Bewegungsmeldern. Im Fall des Smart Homes haben die Bewegungsmelder aber gleichzeitig auch eine Sicherheitsfunktion, falls jemand ins Haus eindringt. Sie erkennen aber auch, wenn niemand mehr im Haus ist, regeln die Heizung herunter und schalten unnötige Verbraucher aus.

Wer kennt nicht das ungute Gefühl, ob das Bügeleisen vielleicht doch noch an ist? Der Bewegungsmelder im Hauswirtschaftsraum erkennt, dass niemand mehr im Raum ist und schaltet das Licht UND die Steckdose aus an der das Bügeleisen angesteckt ist. Man kann nicht jede Steckdose schaltbar machen, da das sehr schnell ziemlich teuer werden kann. Man kann sich aber im Vorfeld genau überlegen, wo es sinnvoll ist und die Installation so auslegen, dass man bei Bedarf auch andere Steckdosen einbeziehen kann.

Auf dem Weg zum oder aus dem Vorratsraum hat man meistens die Hände voll. Der Bewegungsmelder sorgt automatisch für Licht. Auf dem nächtlichen Weg zur Toilette braucht man auch keinen Lichtschalter mehr suchen. Die Haussteuerung macht Licht im Flur, dimmt es aber während der Schlafenszeit gleichzeitig auf ein Minimum und schaltet auch gleich noch ein dezentes Licht auf der Toilette ein.

Mit der Haussteuerung werden Fensterkontakte abgefragt. Betätigt man den zentralen Ausschalter am Ausgang, erhält man eine Benachrichtigung über eventuell gekippte oder ganz geöffnete Fenster. Sie Fenster während der Anwesenheit längere Zeit geöffnet, wird die Temperatur im Raum heruntergeregelt. Luftfeuchtigkeits- und Luftqualitätssensoren messen ständig die Raumluft und erinnern daran zu lüften. Es ist draußen dunkel und in der Dusche beginnt das Wasser zu laufen? Ein Durchflussfühler bemerkt das, erhöht die Temperatur im Badezimmer und fährt automatisch die Jalousien herunter.

Meine Vorplanung für benötigte Funktionen

Meine Vorplanung für benötigte Funktionen

Außenkameras geben ihr Bild direkt in die Benutzeroberfläche der Haussteuerungssoftware, erkennen Bewegung und können damit entsprechende Aktionen ausführen. Damit wird eine Kamera zum intelligenten Bewegungsmelder und kann das Außenlicht steuern. Werden Fenster während der Nachtzeit oder bei Abwesenheit geöffnet, melden das die Fensterkontakte, alle Lichter im Haus gehen an, die Jalousien fahren hoch und die Beleuchtung der Außenfassade blinkt.

Über den Stromverbrauch an einzelnen Steckdosen kann erkannt werden, ob die Waschmaschine fertig ist und man erhält eine Nachricht aufs Smartphone – oder eine Durchsage über ein angeschlossenes Soundsystem.

Der Paketdienst klingelt, man erhält das Kamerabild der Haustüre auf sein Smartphone, kann das Garagentor ein Stück öffnen lassen und den Paketdienst bitten, das Paket dort abzulegen. Oder er kann mit einem RFID-Chip das Tor selbst öffnen und es schließt nach 20 Sekunden automatisch.

Es klingelt an der Tür und die Musik ist aufgedreht? Die Innenbeleuchtung beginnt zu blinken! Das Gleiche ist bei Telefonanrufen möglich.

Man betritt um 20:10 Uhr das Haus und freut sich auf seine Lieblingsserie? Die Haussteuerung hat beim Betreten schon das passende Programm am Receiver eingestellt, das Fernsehgerät angeschaltet, die Jalousien heruntergefahren und das Licht gemütlich gedimmt. Die Verteilung des Satellitensignals erfolgt natürlich per SAT>IP. Damit kann das Programm nicht nur auf Fernsehgeräten, sondern auch auf Tablets, Smartphones und PCs angesehen werden. Ich habe das seit knapp 6 Monaten  im Probebetrieb und bin begeistert!

Die Möglichkeiten sind schier unendlich. Voraussetzung dafür ist allerdings auch, dass man bereit ist und die Kenntnisse hat, selbst in die Steuerung einzugreifen. Würde man diese Programmierung einem Fachbetrieb überlassen, wäre das sicher ein sehr teure Angelegenheit.

Unsere Anforderungen an die Haussteuerung

Es soll ein etabliertes System sein, welches möglichst ohne zentrale Steuerung für die Grundfunktionen auskommt. Würde diese ausfallen, könnte man noch nicht einmal mehr ein Licht anschalten und wichtige Steckdosen wären eventuell sogar stromlos (Kühltruhe etc.). Jede Komponente sollte daher über eigene Intelligenz verfügen und auch beim Ausfall anderer Module weiterarbeiten.

Der Verkabelungsaufwand sollte überschaubar sein. Zwar ist eine Sternverkabelung die zukunftssicherste Netztopologie, da alle Enden zu einem zentralen Punkt – der Hausverteilung führen. Dafür ist der Material- und Arbeitsaufwand für Kabel, Leerrohre, Schlitze, Kabeltrassen etc. immens. Bei einer Hausbreite von 15 Metern, einer Nutzfläche von ca. 300 m², zwei Stockwerken plus Garage, Garagenkeller und Dachboden ist das ein zu großer Aufwand, da bei vielen Systemen auch noch zusätzliche Buskabel notwendig sind. Daher sollte es ein System sein, das zusätzlich eine konventionellere Installation mit Stichleitungen etc. zulässt. Der Verzicht auf eine zusätzliche Bus-Verkabelung wäre wünschenswert.

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4 Responses

    • nachbelichtet

      Im Prinzip legst du einen Ring mit 3-Adern J-Y (ST) Y 2x2x0,8 (auch Telefonkabel oder Fernmeldeleitung) oder ein CAT-Kabel, welches an einen entsprechenden Hub angeschlossen wird (siehe Text). Daran kann man nun sehr viele günstige 1-Wire Sensoren (Temperatur, A/D-Wandler, Binäreingänge) anschließen. Jeder von denen hat ab Werk eine eigene ID und die ist dann zur Auswertung sichtbar. Je nach Gegebenheiten sind 100 oder 200 Meter Kabel und 50 oder 100 Sensoren wohl kein Problem.

      Details dazu und einen Testaufbau gibt es bald in einem Beitrag – leider sind die benötigten Teile noch nicht da.

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  1. Martin

    Super Beitrag! Wir planen gerade auch unser neues Haus und da kommt deine Einschätzung gerade recht! Bislang wurde nur Loxone angeboten.

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