Das schöne an einer Spiegelreflexkamera – im Vergleich zu einer spiegellosen – ist, dass die Akkus ziemlich lange durchhalten. 1000 Fotos sind mit meiner Nikon D750 kein Problem. Trotzdem gibt es Anwendungen wie Zeitraffer-Aufnahmen und natürlich DSLR-Videos, die sehr viel mehr Strom verbrauchen. Da das wechseln des Akkus nervig und wie bei Zeitraffer-Setups auch nicht immer ganz einfach ist, habe ich mir eine DIY-Alternative überlegt, die man mit Nikon, Canon und Sony Kameras nutzen kann.

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Es gibt ein paar Eigenbaulösungen auf Basis von Power Banks mit 12 Volt Ausgang als Stromquelle. Da Nikon und Canon DSLRs und die meisten anderen Kameras aber 7,4 Volt benötigen, müssen die 12 Volt der Power Bank mit einem sog. Step-Down Wandler auf 7,4 Volt heruntergeregelt werden. Diese Lösung hat ein paar Nachteile: Power Banks mit 12 Volt Ausgang sind recht rar und unverhältnismäßig teuer. Das größere Problem ist aber, dass die Ausgänge dieser Power Banks max. um die 2 Ampere Strom liefern, die 12V Ausgänge der günstigeren Varianten sogar nur max. 1,5 A. Auch der benötigte Step-Down Wandler dazwischen kann schnell ansteigende Ströme nicht so schnell ausgleichen. Die Folge ist, dass die Spannung einbrechen kann und damit allerlei Fehlfunktionen bei der Kamera auftreten können.

 

Da Power Banks intern grundsätzlich mit 3,6 Volt arbeiten (Die Nennspannung der Lithium-Ionen-Akkus), die dann mit einem internen Step-Up Wandler auf die 5V für die USB-Ports und eben 12 V angehoben werden, ergibt sich eine technisch sehr ungünstige Konfiguration, die auch nicht besonders effektiv arbeitet: 3,6 Volt werden auf 12V gewandelt, dann wieder auf 7,4 Volt herunter. Jeder dieser Schritte arbeitet mit maximal 80% – 90% Wirkungsgrad. Wenn man dann noch die tatsächliche Kapazität einer Power Bank betrachtet (dazu in einem späteren Beitrag), ist das alles andere als ideal.

Mit Standards zur sicheren (und preiswerten) Stromversorgung

Warum also eine spezielle und teure Power Bank, die sich außerdem noch schlecht befestigen lässt, und nicht eine Stromquelle die gleich die 7,4 Volt liefert welche die Kamera so gerne mag? Die Lösung ist ein NP-F Akku – ein Standardakku für Videokameras. Diese Akkus gibt es mit z. B. mit üppigen 7800 mAh. Der originale Nikon EN-EL15 hat 1900 mAh Kapazität. Ein Set aus zwei Patona NP-F970 mit 6400 mAh sowie einem passenden Doppelladegerät bekommt man für knapp 80 Euro. Damit ersetzt man 6 original Nikon Akkus. Der Vorteil dieser Lösung gegenüber der Power Bank Variante ist, dass diese Akkus auch Spitzenströme liefern können ohne einzubrechen und es entfallen die Wandlungsverluste.

Wie bekommt man aber den NP-F Akkus an die Kamera? Das Zauberwort heißt: Dummy Akku! Das sind Kunststoff-Adapter in der Form des entsprechenden Kameraakkus. Diese gibt es für Nikon, Canon, Sony und diverse weitere Kameramodelle. Der EN-EL15 Dummy-Akku für die D750 oder D7200 kostet etwa 28 Euro. Manche dieser Adapter haben gleich die passende Hohlsteckerbuchse, so dass man gar nichts löten muss. Hier eine Übersicht der Dummys bei Amazon.

NP-F Akkuhalter Unterseite mit Klettband und 1/4" Gewinde

NP-F Akkuhalter Unterseite mit Klettband und 1/4″ Gewinde

Die zweite Komponente ist ein NP-F Akkuhalter für knapp 12 Euro. Dieser Akkuhalter hat ein 1/4 Zoll Fotogewinde und ein Klettband auf der Rückseite. Damit lässt sich die Halterung auf vielfältige Weise befestigen. Mit einem Gelenkarm mit Klemme kann man ihn auch am Fotostativ befestigen, oder man besorgt sich einen Blitzschuh-Adapter und setzt ihn oben auf die Kamera.

Akkuhalterung mit einem Gelenkarm und Klemme z. B. für das Fotostativ

Akkuhalterung mit einem Gelenkarm und Klemme z. B. für das Fotostativ

Da die Batteriehalterung eine Hohlsteckerbuchse als Ausgang hat und auch ein passendes Kabel beiliegt, manche der Dummy-Akkus jedoch einen Hohlstecker mit anderem Durchmesser oder einen ganz anderen Anschluss haben, muss man manchmal entweder den Stecker am Dummy-Akku durch einen passenden Hohlsteckerkupplung ersetzen, oder man schneidet auch noch einen Stecker vom Adapterkabel des Akkuhalters ab und verlötet und isoliert die beiden Enden. Der Innere Kontakt des Hohlsteckers ist der Pluspol.

Ich gebe an dieser Stelle keine weitere Anleitung, denn erstens sind die Dummy-Adapter alle unterschiedlich was die Aderfarben der Anschlusskabel angeht und zweitens sollte man solche Basteleien nur mit Grundkenntnissen in Elektrotechnik und im Umgang mit dem Lötkolben durchführen – dann sollte es auch kein Problem sein die passende Polarität herauszumessen. Andernfalls riskiert man die Beschädigung der Kamera.

Wenn ihr den Adapter gelötet habt, schließt ihr ihn erst einmal außerhalb der Kamera an die Akkuhalterung an und vergleicht die Polarität an den Kontakten des Dummy-Akkus mit der an dem richtigen Kameraakku. Ist diese gleich, steht einem Test in der Kamera nichts entgegen.

Im Praxiseinsatz

Mit der externen Stromversorgung hat man gegenüber dem Nikon EN-EL15 Akku, die 3-fache Laufzeit der Kamera. Zudem kann der Akku extrem schnell und einfach gewechselt werden, da man nicht an der Kamera herum machen muss. Grade bei Timelapse Aufnahmen, womöglich sogar noch auf einem Slider, möchte man ja nicht die Einstellung verändern und hat zwischen den Auslösungen auch nur wenig Zeit. Natürlich sind auch längere Verbindungskabel möglich, man sollte hier jedoch auf eine Zuleitung mit einem Querschnitt von mindestens 0,25 mm² achten.

Für Videoaufnahmen kann man die Akkuhalterung auch mit dem Klettband an einem Kamera-Rig anbringen und hat so schnell und bequem Zugriff auf den Akku. Die ganze Sache kostet zwischen 20 und 40 Euro für die Akku-Halterung mit dem entsprechenden Dummy-Akku. Insgesamt eine sehr preiswerte Lösung für eine längere Kameralaufzeit.

 

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