Einer der häufigsten Kritikpunkte an Lightroom ist die häufig als mangelhaft empfundene Performance. Ich habe in der letzten Zeit allerdings einige Beobachtungen bei Lightroom Anwendern gemacht, bei denen dieses Geschwindigkeitsproblem von einer ganz anderen Seite herrührte. Dieses lässt sich aber ganz schnell abstellen.

Es gibt nicht ganz so viele Schräubchen, die man bei Lightroom drehen kann, um die Geschwindigkeit zu tunen. Natürlich helfen ein aktueller flotter Rechner, reichlich RAM (Adobe spricht von 16 GB RAM für eine deutliche Leistungsverbesserung) und wenn sich Katalog und Betriebssystem auf einer (oder besser getrennten) SSD befindet, geht es gleich nochmal schneller. SSD sind in den letzten Monaten im Preis dermaßen stark gefallen, dass man eine gute Marken-SSD für Lightroom für nur wenig über 40 Euro ergattern kann und ich würde jedem Lightroom-Anwender ein SSD-Upgrade empfehlen. Übrigens sinken aber auch Leistung und Lebensdauer der SSD, wenn sich dauerhaft weniger als 20% freier Platz auf der Solid State Disk befinden.

Rechner mit SSD aufrüsten

Eine ganz andere Stellschraube bei Geschwindigkeitsproblemen mit Lightroom ist aber der Workflow. Dass man die wichtigsten Tastaturbefehle von Lightroom kennen sollte, halte ich für eine schnelle Bearbeitung für sehr wichtig. Die Beobachtungen die ich gemacht habe, gingen aber in eine ganz andere Richtung.

Manuelle Erstellung von Smart-Vorschauen

Viele stecken die Speicherkarte zum Import in den Kartenleser (warum der übrigens auch ein schnelles Modell sein sollte steht HIER), lassen die Fotos auf die Festplatte flutschen und beginnen nach Abschluss des Imports sofort mit der Bearbeitung der Bilder. Plötzlich geht alles extra zäh und stockend. Der Grund dafür liegt in der automatischen Erstellung der Vorschauen, welche normalerweise automatisch aktiviert ist. Das erzeugt allerdings auch eine beachtliche Prozessorlast und diese wirkt sich negativ auf die Performance von Lightroom aus. Da wir aus Neugier, Zeitdruck oder was auch immer zusätzlich noch ungeduldiger als sonst sind, geht die Bearbeitung gefühlt noch langsamer. Mit immer größeren RAW-Daten dauert dieser Hintergrundprozess auch immer länger, denn hier werden tatsächlich die Bilder „angefasst“ und Kopien in einem neuen Format erstellt.

Erstellung der Vorschauen im Hintergrund nach dem Import

Erstellung der Vorschauen im Hintergrund nach dem Import

Wenn man jedoch beim Import die automatische Erstellung der Vorschauen deaktiviert, braucht zwar das erstmalige Aufrufen eines Fotos zur Bearbeitung etwas länger, weil erst dann die Vorschau für dieses Foto erstellt wird, dafür belasten aber keine Hintergrundprozesse die Bearbeitung.

Erstellung der Vorschauen im Hintergrund nach dem Import

Smart-Vorschauen beim Import deaktivieren

Hier muss man nun abwägen, ob das nachträgliche Erstellen der Vorschauen und dafür eine zügige Bildbearbeitung zielführender (oder weniger nervig ist) ist, oder ob man den Rechner erst einmal die Vorschauen erstellen lässt. Diese Zeit könnte man sich derweil mit einem Tässchen Kaffee oder: ________________ <- bevorzugtes Getränk hier einsetzen verkürzen.

Hochauflösende Displays

Es gibt aber auch noch eine ganz andere Möglichkeit für Performance-Probleme in Lightroom. Displays und Auflösungen werden immer größer. Während ich diesen Beitrag schreibe, sitze ich an einem 30 Zoll Display mit 2560×1600 Pixeln Auflösung. Mein MacBook mit Retina-Display hat eine noch viel höhere Auflösung und 4k-Displays werden bald der Standard werden.

1:2 und 1:3 Ansichten nutzen

1:2 und 1:3 Ansichten nutzen

Diese hohe Auflösung erzeugt aber auch mehr Rechenleistung bei der Arbeit in Lightroom. Um das zu verhindern hilft es, das Lightroom Programmfenster kleiner zu machen. Ein weiterer Trick ist aber, nur die 1:2 und 1:3 Ansichten zu nutzen, da diese wohl weniger Rechenarbeit erfordern. Tatsächlich kann man hier einen beträchtlichen Unterschied in der Arbeitsgeschwindigkeit von Lightroom bei der Nutzung des Korrekturpinsels und des Reparaturwerkzeugs feststellen.

Weitere Infos gibt es bei Adobe

13 Responses

  1. Steven

    Hallo,

    Überprüfen Sie Ihre Antivirenlösung.
    Ich hatte massive Leistungsprobleme mit Lightroom auf zwei Computern: Laptop (i5, 8GB, SSD, Intel HDgraphic) und Workstation (i7, 16GB RAM, SSD, NVIDIA 1060 mit 6GB)
    Verwendung der Grafikkarte in LR am Laptop deaktiviert und auf Workstation aktiviert.

    Andere Software wie Visual Studio, Office, Videobearbeitung usw. funktionierte gut.

    Ich habe Bitdefender Antivirus 2017/18 verwendet, aber ich denke, das könnte auch bei anderer Antivirensoftware der Fall sein.

    Das Antivirus stört so:

    1. es überprüft LR Katalog / Bilder und Vorschau-Cache (der unter starkem Einsatz von Lightroom ist, führt dies zu viel I / O-Verkehr (und somit Antivir-Aktion)
    2. es überprüft geladen exe und dll von lightroom anwendung (dies führt zu sekunden von „was zur hölle macht die Kiste?“ In entwickeln modul wenn Slider bewegt werden oder durch bilder gebrowsed wird)

    2 Lösungen:

    1. machen Sie Ausschlüsse in Antivir für LR Katalog / Bilder und Vorschau Cache UND Lightroom App Ordner / Unterordner. Alles was mit LR zu tun hat
    2. Verwenden Sie ein anderes Antivir, das für Lightroom weniger belastend ist

    Ich habe den zweiten Ansatz ausprobiert: Bitdefender deinstalliert und die standardmäßige ms defender-Lösung von Windows 10 verwendet.
    Kurz gesagt: Jetzt ist mein Lightroom schnell, selbst auf meinem kleinen Laptop mit mittelmäßiger Hardware.

    Steven.

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  2. timo

    Die Bildauswahl mache ich mit dem Fast Stone Image viewer, kostenloses Tool, mega schnell. Da schmeiße ich die meisten Bilder raus und importiere nur noch die Guten. Das hat meinen Workflow enorm verbessert!

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  3. Claus

    Wichtig für die normale Anzeige ist das Erstellen von (am besten 1:1) Vorschauen.
    Für das Bearbeiten sind die smart-Vorschauen nötig. Dann kann auch bearbeitet werden, wenn das Original auf externer Platte ist.

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  4. Conrad

    Hallo! Sie schreiben „… und wenn sich Katalog und Betriebssystem auf einer (oder besser getrennten) SSD befindet, geht es gleich nochmal schneller. “
    Danke für den Hinweis, aber wenn man trennt, wo kommt das Programm LR selbst hin? Sollte man das auf der gleichen SSD wie das BS installieren, oder auf der mit den Katalogen – oder eine 3. SSD 😉

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  5. Hans

    Ich lasse die 1:1 Vorschauen beim importieren erstellen, finde ich besser.
    Mein Rechner: Intel neuste Generation, 16GB RAM, 2 x SSD (System und LR Katalog), 4K Monitor.
    Die LR Bilder werden beim Importieren auf ein Netzlaufwerk geschrieben und hier ist ein Geschwindigkeitsproblem. Jedes Bild wird beim Entwickeln über das GBit Netz geholt und dies dauert ein wenig. Ist das bei anderen auch so und gibt es Optimerungspotenzial?

    Nun habe ich angefangen die Bilder auf die SSD zu importieren (in speziellen Katalog), mache die Bearbeitung lokal, dann kopiere ich die Bilder in den richtigen Ordner auf den Netzordner, exportiere den Katalog mit den Entwicklungsschritten und importiere alles in den grossen Katalog. So kann ich die Geschwindigkeit optimieren. Ist einfach ein wenig mühsam und aufwendig. Kennt jemand noch andere Möglichkeiten?

    Danke und Gruss
    Hans

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      • Hans

        Bei jedem Fotowechsel erscheint die Meldung „Daten werden geladen“ und unten rechts dreht ein kleiner Kreis. Wenn der Folder auf dem Netzlaufwerk unbenannt ist, können keine Fotos mehr bearbeitet werden (alle Regler ausgegraut).
        LR verwendet anscheinend die RAW Files gleichwohl.
        Mache ich einen Denkfehler?

  6. Bernhard Willim

    Ich lese die Tipps gern, stimme allerdings bei den Vorschauen nicht ganz zu. Eine ganz andere Frage: wie kann bei einem iMac aus 2010 mit 16GB RAM und 1TB FP Lightroom auf eine SSD auslagern und von dort aufrufen?
    Wenn es dazu konkrete Arbeitsschritte gäbe, wäre ich dankbar.

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  7. Maurice

    Danke für den Beitrag. Trotz den gutgemeinten Tips reagiert Lr aber immer noch träge. Vielleicht sollte sich Adobe endlich mal gedanken in dieser Richtung machen anstatt einen Dunstfilter oder anderes einzubauen. ich wär auf jedenfall mal endlich froh.

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  8. Marek

    Danke für den wieder interessanter und informativen Beitrag!
    Am Rande: könntest Du vllt. einen Schalter zu einer Druckversion des Artikels einpflegen?
    Danke im Voraus!
    Marek

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  9. Tobias Glawe

    Für die Bildauswahl sind die Vorschauen allerdings nicht ganz sinnlos. Anstatt sie komplett abzustellen, hilft es bereits sie nicht 1:1, sondern verkleinert zu generieren.

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