Ich muss ja zugeben, dass ich nie ein Fan von Nikons Raw-Software Capture NX war. Zu träge. Zu Umständlich. Zu teuer. Nun gibt es den Nachfolger von NX2 als Betaversion. Diese nennt sich Capture NX-D und birgt so einige Überraschungen.

Mit der RAW-Software welche die Kamerahersteller anbieten lassen sich meist noch einige Daten mehr im RAW-Workflow nutzen. Gerade bei Nikon, die ja ihre RAW-Spezifikation schon immer schön unter Verschluss halten, ergeben sich da ein paar Möglichkeiten mehr. So konnte man in den NX-Versionen die Autofokusfelder anzeigen lassen, die bei der Aufnahme aktiv waren und die Software kannte die Nikon Kameraprofile und konnte so die Farben und Tonwerte präziser darstellen.

nikon-NX-D_install

Mir waren diese Funktionen immer ziemlich schnuppe, weil? Richtig! Lightroom! Gegen Capture NX war Lightroom immer ein Rennwagen und irgendwie konnte ich mich nie an Nikons RAW-Software gewöhnen.

Durch den Kauf des Bildbearbeitungsspezialisten NIK Software durch Google, wurde Nikon wohl ziemlich kalt erwischt, denn das lokale und ziemlich geniale Korrekturwerkzeug „U-Point“ in Capture NX2 fehlt im neuen NX-D, da es sich dabei um eine Entwicklung von NIK handelte, welche wohl auch insgesamt vieles zu Capture NX2 beitrugen.

Das neue Nikon NX-D scheint wohl auf der RAW-Software SilkyPix aufzusetzen, denn die Ähnlichkeiten sind schon sehr offensichtlich. Allerdings wartet Capture NX-D nicht mit dem vollen Funktionsumfang der aktuellen SilkyPix Version auf. Das ist in sofern zu verzeihen, dass SilkyPix ab 119 Euro zu haben ist, Nikon für sein NX-D zukünftig aber kostenlos abgeben will. Sobald es die finale Version von NX-D gibt, wird der Verkauf von Nikon Capture NX2 eingestellt.

Angetestet

Für einen Test von Nikon Capture NX-D habe ich mir die Beta auf meinem Windows 8.1 Rechner installiert was reibungslos funktionierte und auch die Startprobleme, die gerade in einigen Foren diskutiert werden, konnte ich nicht nachvollziehen. Danach folgt aber gleich die Ernüchterung, denn von Capture NX2 ist nichts mehr übriggeblieben. Nur rudimentäre Einstellungen zu Helligkeit, Kontrast, Schärfe und Bildrauschen sind zu finden. Ein manuelles Werkzeug zur Objektivkorrektur und alles in einer furchtbar zu bedienenden Oberfläche, die eher an ein Shareware-Programm aus dem letzten Jahrzehnt erinnert.

Eingeblendete Autofokusmessfelder

Eingeblendete Autofokusmessfelder

Lokale Korrekturen? Fehlanzeige! Zumindest gibt es eine LCH-Gradationskurve. Auch die Autofokus-Messfelder lassen sich wieder einblenden und SilkyPix – ähhh – Capture NX-D geht einigermaßen flott zur Sache. Wenn sich bis zur finalen Version nicht sehr sehr viel tut, ist Nikon NX-D nur noch ein Schatten seiner Vorfahren und dürfte dann auch den letzten überzeugten Capture NX Anwender zu anderer Software nötigen.

Wenn ihr euch selbst einen Test antun wollt, gibt es hier den Download: http://beta.nikonimglib.com/

8 Responses

  1. Harry

    Ich seh das ganze auch als Chance, endlich von dieser Nikon Software loszukommen.

    Ich habe vor ein paar Monaten nach vielen Jahren CNX2 auf LR5 gewechselt. Fazit: Den Schritt hätte ich schon viel früher tun sollen Und der Grund für mein zögern war die upoint Technologie. Jetzt, nach dieser Nikon Entscheidung CNX2 einzustampfen, ist mein Wechsel umso mehr richtig gewesen.
    Da bleibt nur zu hoffen, dass NIKON endlich kapiert, was Kunden softwareseitig brauchen, nämlich das Rawformat offen zu legen und proaktiv mit Adobe zu kooperieren.
    Damit wären die Unzulänglichkeiten der Nikon Software irrelevant

    Gruss Harry

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  2. Karl Gustav

    Als ich die Software testete glaubte ich zunächst es läge an mir. Dank Deines Berichts weiß ich nun -> NX-D ist wirklich so schlecht. 🙁

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  3. Kruex

    Dankbar wäre wenn Nikon Camara Control kostenlos oder zu einem vernünftigen Preis anbieten würde. Wenn wir schonmal dabei sind, SDKs für die „kleinen“ Nikons hätte ich auch gern.

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  4. Franky

    Ich sehe das entspannter. Es ist ja noch eine Beta Version, da werden noch Funktionen hinzukommen. Die U Point Geschichte ist nun mal von NIK Software und nicht von Nikon selber. Und wenn beide Firmen nun einmal nicht mehr zusammenarbeiten ist das leider Geschichte, kann man nichts machen. Aber dafür würde ich nicht Nikon die Schuld geben, wer weiß schon warum und wieso. Ausserdem kosten die NIK Tools nicht mehr die Welt, wer es also umbedingt U-Point will kann es sich ja kaufen.
    Und noch läuft Capture NX2 ja, werde da bestimmt noch 2-3 Jahre parallel mit arbeiten können.

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  5. Jan

    Eine Katastrophe.
    NX2 ist mein Lieblingprog für EBV und flutscht auf dem iMac. Und der Workflow auch: Kein mühseliges Importieren, keine sidecar Dateien. nicht destruktiv, U.Point und sooviele Kamerakorrekturen möglich. Aber eben nur für Nikon. Ein Edelstein den viele nur als ungeschliffen wahrnahmen. Natürlich hat die Sofware seine Ecken und Kanten und ich habe 2 Jahre gebraucht um mich einzuarbeiten, aber es Ist und bleibt bis zum Schluss mein Partner Nummer 1 in der Nikon RAW Bearbeitung.
    LR ist eine Alternative, aber nur zweite Wahl für mich, C1 zu umständlich und langsam, Aperture macht mir einfach keinen Spass.

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  6. Jens

    Naja, jetzt wo das 600er-Drama zu ende ist, muss Nikon ja versuchen, in aller Munde zu bleiben. Da kommt eine ätzende Beipacksoftware gerade recht, die Nikon fast nix kostet. Canon verschenkt Lightroom mit der 6D, Nikon veräppelt seine Kunden. Die Welt ist wieder im Lot.

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