Auch wenn man einen sehr guten und kalibrierten Monitor zur Bildbearbeitung einsetzt, wird man doch oft durch falsches Umgebungslicht fehlgeleitet. Viele unterschätzen den Einfluss der Beleuchtung auf die Bildschirmdarstellung und die Farbwiedergabe am Arbeitsplatz. Was man dagegen tun und wie preiswert richtiges Licht sein kann, erzähle ich in diesem Beitrag.

Wir optimieren an vielen Dingen herum: Farbprofile und Kurven für Kameras. Endlose Diskussionen über AdobeRGB, SRGB oder SonstwasRGB, 8-, 16- oder 32bit Farbtiefe (eine kleine Aufklärung von mir dazu gibt es HIER und HIER) in den einschlägigen Foren. Welcher Monitor ist für die Bildbearbeitung am besten?

Für wirklich gute Ergebnisse braucht man natürlich einen guten Monitor, der auch entsprechend kalibriert wurde. Ich selbst nutze einen EIZO FlexScan SX2762W.

Allerdings ist das nur die halbe Miete, denn für den richtigen Farbeindruck ist vor allem auch das Umgebungslicht verantwortlich. Diese sollte nicht nur immer gleich hell, sondern auch die gleiche Farbtemperatur haben. Vor einigen Jahren habe ich dazu schon einmal eine sehr einfache und preiswerte Lösung zum Thema Normlicht vorgestellt: HIER.

Die Farbe des Lichts

Meistens trifft man aber in einem normalen Büro oder Homeoffice Mischlicht aus Tages- und Kunstlicht an. Tageslicht kann, je nach Tageszeit und Witterung, ganz unterschiedliche Farbtemperaturen haben. Sonnenlicht lässt die Farben am Bildschirm meist wärmer (rötlicher) wirken. Das Licht einer Glühlampe lässt die Bildschirmdarstellung bläulicher aussehen, da es eine niedrige Farbtemperatur besitzt. Aus diesem Grund gibt es auch den Weißabgleich bei Digitalkameras.

Farbtemperaturen

Farbtemperaturen (Wikimedia)

Die ideale Farbtemperatur liegt bei 5000 Kelvin und darauf hat man sich auch international geeinigt. Das entspricht der Lichtfarbe eines klaren Sonntages (Vor- oder Nachmittag). Möchte man also die bestmögliche und realistischste Farbwiedergabe, sollte der Arbeitsplatz mit einer Lichtfarbe von etwa 5000 Kelvin ausgeleuchtet sein.

Traditionell sind dazu entsprechende Leuchtstofflampen geeignet. Allerdings zählt hier nicht nur die Farbtemperatur der Lampe, welche meistens als „Tageslichtweiß“ angegeben wird, sondern auch der Farbwiedergabeindex.

Der Farbwiedergabeindex

Tageslicht oder das Licht einer Glühlampe enthält lückenlos alle Farben des Farbspektrums die dann ein Objekt reflektieren kann. Damit können sämtliche Farbnuancen eines Objekts (oder des Monitors) unser Auge erreichen.

Gasentladungslampen wie Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen und auch die neuen LED-Leuchtmittel geben hingegen nur einen Teil des Farbspektrums wieder. Ihr Farbspektrum zeigt an vielen Stellen komplette Lücken.

Wie vollständig das komplette Farbspektrum von einer Lichtquelle wiedergegeben werden kann, wird mit dem Ra-Wert angegeben. Eine Glühlampe hat einen Ra-Wert von nahe 100. Viele Leuchtstofflampen eher 70-80. Energiesparlampen gerne auch mal nur 50-60.

Vielleicht kennt ihr diese orange leuchtenden Lampen an Fußgängerüberwegen? Hier kommen Natriumdampflampen zum Einsatz und die haben einen extrem niedrigen Ra-Wert von etwa 20. Darum kann man in diesem Licht praktisch keine Farben unterscheiden – probiert’s mal aus!

Natriumdampflampen bei einem Zebrastreifen (Axel Schwenke)

Natriumdampflampen bei einem Zebrastreifen (CC Axel Schwenke)

Hier treffen nun zwei Gegensätze aufeinander: Glühlampen haben einen idealen Farbwiedergabeindex von 100, haben aber eine zu niedrige Farbtemperatur. Herkömmliche Leuchtstofflampen gibt es hingegen mit vielen Farbtemperaturen, haben aber häufig einen zu niedrigen Ra-Index.

Die richtige Lampe

Zum Glück gibt es in vielen Bereichen Bedarf an Leuchtstofflampen die beide Anforderungen erfüllen! In Druckereien, beim Wareneingang von z. B. Textilbetrieben etc. ist eine normgerechte Beleuchtung Voraussetzung für gleichbleibende Qualität und Urteilsvermögen.

OSRAM Color Proof

OSRAM Color Proof

Vom Traditionshersteller OSRAM gibt es daher eine spezielle Serie von Leuchtstofflampen, die sich „Color Proof“ nennen. Diese zeichnen sich durch einen hohen Ra-Wert von 98 sowie eine ideale Farbtemperatur von 5300 Kelvin aus, welche auch mit dem Wert 950 angegeben wird („Tageslicht 950“).

Hat man solche Lampen über dem Arbeitsplatz montiert und verhindert man durch eine Jalousie oder einen Rollo den Einfall von Fremdlicht, hat man die besten Voraussetzungen für richtige Farben bei der Bildbearbeitung. Auch der Softproof von Photoshop oder Lightroom zeigt erst dann seine richtigen Stärken.

Die OSRAM Color Proof Leuchtstofflampen sind mit etwa 12 Euro pro Stück erschwinglich und sollten an keinem (semi-) professionellen Arbeitsplatz zur Bildbearbeitung fehlen.

Philips Graphica Leuchtstofflampen

Philips Graphica Leuchtstofflampen

Noch preiswerter sind die Philips Röhren TL-D Graphica. Auch diese haben eine Farbtemperatur von 5300 Kelvin und einen Ra-Wert unwesentlich schlechteren 97. Diese gibt es bereits für um die 8 Euro pro Stück.

Idealerweise setzt man diese Leuchtstoffröhren in einer Rasterleuchte (die evtl. mitgelieferten Leuchtmittel müsst ihr natürlich gegen die oben genannten austauschen) ein, da hier das Licht gleichmäßig verteilt wird. Wie viel Lampen ihr an eurem Arbeitsplatz benötigt, hängt natürlich von der Größe des Raums, der Deckenhöhe etc. ab. Die Bildschirmarbeitsplatzverordnung gibt mind. 500 Lux im Mittel als Voraussetzung an. Ideal sind 750-1000 Lux. Wer es genau wissen will kann das mit einem günstigen Beleuchtungsmessgerät prüfen.

Allerdings sollten auch Decke und Wände eine neutrale Farbe haben, denn von einer farbigen Wand reflektiertes Licht kann den Bildeindruck ebenfalls verfälschen.

Fazit

Zur guten Bildbearbeitung gehört nicht nur ein guter und kalibrierter Monitor, sondern auch das richtige Licht am Arbeitsplatz und das ist sehr viel anspruchsvoller, als man das zunächst glauben mag. Mit passenden Leuchstofflampen lässt sich das aber recht einfach und preiswert lösen. Eure Bilder und immer farbechte Abzüge werden es euch danken.

 

 

9 Responses

  1. Stefan Rows

    Danke für den Artikel, habe gerade die Osram ColorProof incl Rasterleuchter installiert und meine Bildschirme auf 5000 kelvin kalibriert. Bin gespannt, ist schon sehr Gelb am Anfang, habe bisher mit kalibrierten 6500k gearbeitet…

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  2. Sven

    Klasse. Sowas suchte ich schon lange. Frage ist nur, ob es sowas auch als Schreibtischlampenversion gibt. Muss ich mich mal auf die Suche begeben.

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    • Thomas

      Hallo Sven,

      suche ebenfalls eine Lösung für den Schreibtisch Gebrauch o.ä.

      Musterfarbfolien betrachten/mit Monitor abgleichen.

      Bist Du denn fündig geworden?

      Danke für eine Tip

      LG

      Thomas

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      • Konstantin

        Hallo ich bin nach langer Suche fündig geworden und will euch das nicht vorenthalten. Als Lampe habe ich folgendes Modell gewählt:
        SIS Light take5 desktop (ca. 260€ mit Tischfuß / Klemme entsprechend günstiger)
        und als Leuchtmittel Just SL-T5 proGraphic 9W/590 mm (ca. 70€)
        Das Leuchtmittel hat 5000k und einen cri >90
        Für den Gesamtpreis findest man eigentlich nichts besseres für den Schreibtisch…
        Für ca. 50€ Aufpreis kann SIS Light die Lampe dimmbar machen.
        Ne einfache Röhre an die Decke geht natürlich auch…
        Jetzt muss ich nur noch ein wenig sparen 😉

  3. Ingo Krehl

    Hatte zuerst die Bedeutung des Umgebungslicht nicht verstanden, ein Bildbearbeitungsarbeitsplatz sollte möglichst abgedunkelt sein so dass nur das Licht vom Monitor eine Rolle spielt.
    Bei einem hellen Arbeitsplatz kommt der automatische Weißabgleich der Augen mit hinzu.
    Daraus würde ich schließen, dass das Umgebungslicht möglichst die gleiche Farbtemperatur wie der Monitor haben sollte – also nicht generell 5000 K.
    Der Weißabgleich der Augen scheint, nach meiner Erfahrung, recht träge zu sein. Wer im Sommer eine Sonnenbrille auf hatte, sollte eine halbe Stunde danach keine Bildbearbeitung machen.

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    • nachbelichtet

      Es kommt darauf an, dass auch die Umgebung in einem neutralen Licht dargestellt wird. Ist die Umgebung zu rötlich, wird das Monitorbild eher blau eingeschätzt und umgekehrt. Möchte man dann noch eine Vorlag mit der Bildschirmdarstellung vergleichen, ist Normlicht sehr ratsam. Du hast natürlich recht, dass ein abgedunkelter Raum mit neutralen (grauen) Wänden und ein Monitor mit Blendschutz für die reine Bildbearbeitung ideal ist. Dazu gehört dann auch eine abgedunkelte Beleuchtung mit etwa 50 Lux, welche aber natürlich wieder 5000 K haben sollte. Ein komplett verdunkelter Raum ist wiederum kontraproduktiv, da dieser zu einer höheren Empfindlichkeit der Augen für feine Grauabstufungen führt, die bei normaler Betrachtung gar nicht sichtbar werden.

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      • Ingo Krehl

        Für den Print ist auf jeden Fall eine 5000 K Beleuchtung wichtig, den Monitor habe ich dann auch auf 5000 K stehen. Wenn ich Fotos oder für den nicht Print Bereich etwas mache, schalte ich meinen Monitor inkl. dem entsprechendem Profil auf 6500 K um, die diesem Fall wäre 5000 K Norm-Licht, nach meiner Ansicht, nicht zu empfehlen. Dann besser eine Beleuchtung mit 6000 bis 6500 K, ob es die überhaupt mit einem guten Ra-Wert gibt weiß ich nicht.

      • Ingo Krehl

        http://farbfehlsichtigkeit.com/
        Hier gibt es auch Korrekturglaser oder Kontaktlinsen für Farbfehlsichtige.
        Bei richtig Farbblinden helfen die Gläser natürlich nicht …
        Nun müssen nur noch die Kunden das richtige Licht haben und nicht Farbfehlsichtig sein, und alles ist gut.

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