Plugins für Musiksoftware treten normalerweise entweder in Form von Effekten, virtuellen Instrumenten oder als Tools wie Analyzer, Restaurationswerkzeugen oder Pegelreglern auf. Die Jungs von Sample Magic, bislang eher für Sample-Bibliotheken und Loops bekannt, bringen mit ihrem ersten Plugin eine neue Gattung an den Start, die extrem hilfreich ist.

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Dieser Beitrag wurde 2013 veröffentlicht.
Seitdem hat sich viel getan und manche Informationen und Links sind vielleicht nicht mehr aktuell!

Das Plugin Magic AB von Sample Magic trägt selbst nichts zum Sound der Mischung bei. Trotzdem tut es mehr, als es viele andere Plugins im Mixprozess vermögen. Aber der Reihe nach!

Das Problem – wie klingt mein Mix im Vergleich?

Ist erst einmal alles aufgenommen, entscheidet der Mix über die Balance und den Gesamtsound der Produktion. Natürlich möchte man hier auch im Heimstudio den Sound „großer“ Produktionen erreichen. Ein sehr geeigneter Weg ist es, den eigenen Mix oder Mix-Fortschritt mit passendem Referenzmaterial zu vergleichen. Jeder von uns hat wohl einen Sound im Hinterkopf, den er für perfekt hält und für die eigene Produktion als Vorbild annimmt.

Viele vergleichen einen Referenz-Mix, z. B. der Lieblingsband oder eines passenden Genres mit dem eigenen Mix und versuchen dann eine Annäherung. Oft stammt diese Referenz von einem Medienplayer wie Winamp, iTunes oder von einer CD.

Das Problem dabei ist, dass es den Workflow im Mix unterbricht und durch unterschiedliche Pegelverhältnisse zwischen Mix und der Referenz oft zu Fehleinschätzungen kommt. Außerdem ist es sehr schwierig, bestimmte Passagen oder gar mehrere unterschiedliche Referenz-Mixe mit dem eigenen Werk zu vergleichen.

Über dieses Problem haben sich die Programmierer von Sample Magic Gedanken gemacht und mit Magic AB eine nahezu perfekte Lösung in Form eines Plugins für Windows und Mac im VST, AU, RTAS und AAX (32- und 64-bit) veröffentlicht.

Die Lösung – mehrere Referenz-Songs nutzen!

Magic AB gehört als Insert-Effekt in den Summen-Kanal. In das Plugin lassen sich dann 9 Referenz-Songs in verschiedenen Formaten (MP3, WAV, AIFF, m4a und andere) laden. Mit der A/B Auswahl kann man dann zwischen dem eigenen Song direkt aus der DAW und den Referenz-Songs hin und herschalten. Dabei lässt sich der Pegel der eigenen Mischung und der Referenzen anpassen, wobei auch zwei große VU-Meter samt RMS-Pegelmeter helfen.

Magic AB mit geladenen Songs

Magic AB mit geladenen Songs

Aber auch die einzelnen Referenzen lassen sich mit einem Trim-Regler in der Lautstärke aneinander angleichen. Der Clou dabei ist, dass sich für jede Referenz ein Loop-Bereich auswählen lässt, der fortan ständig durchlaufen wird. Man kann also zu jedem Zeitpunkt zum gewünschten Referenzmix umschalten und hört nur den ausgewählten Bereich. Über die 1/4, 1/2, x 2 und x 4 Buttons lässt sich der Referenz-Loop per Knopfdruck verkürzen oder verlängern.

Die einstellbare Überblendung von bis zu 2 Sekunden hilft den Ohren, sich ohne harte Schnitte an den jeweiligen Mix zu gewöhnen, um diesen besser beurteilen zu können.

Wie bei anderen Plugins gibt es bei Magic AB auch Presets. Diese speichern hier die Einstellungen für die Pegelverhältnisse und natürlich, welche Songs in die einzelnen Referenz-Slots geladen werden sollen. Über die Import-Funktion lassen sich die Referenz-Songs auch im Plugin-Verzeichnis abspeichern. Auf diese Weise lassen sich Referenzen für unterschiedlichen Genres und Stile schnell und einfach aufrufen.

In der Praxis

Natürlich muss zunächst einmal die Auswahl der Referenzen zum eigenen Material passen. Einen AC/DC Song als Referenz für eine Death Metal Produktion zu verwenden ist ebenso wenig zielführend, wie eine Ballade als Vorlage für einen Dancefloor Song zu nutzen.

Dann kommt die Signalkette im Masterkanal: Magic AB sollte dabei natürlich nach allen Plugins stehen, die für den eigenen Mix verantwortlich sind. Andernfalls würden auch die Referenzsongs durch die Summenbearbeitung laufen und damit die Referenz verfälschen.

Ich habe immer einen sehr dezent agierenden Kompressor (PSP OldTimer) in der Summe und mische „in den Kompressor hinein“. Danach kommt ein Equalizer und Limiter, den ich als Vorschau auf das spätere Mastering immer wieder hinzuschalte. Hier setze ich auf Izotope Ozone 5, da ich hier auch das Metering sehr schätze.

Mix Setup im Master (Reaper 4.5)

Mix Setup im Master (Reaper 4.5)

Ein Limiter ist auch nötig, da es sich bei den Referenzsongs normalerweise ja um bereits gemastertes Material handelt und damit ein Vergleich sehr viel verlässlicher wird.

Dann folgt bereits Magic AB. Mit der Pegelanpassung und zugeschaltetem Limiter von Ozone 5, lassen sich Mix und Referenz in der Lautstärke anpassen.

Meine Insert-Effekte im Master

Meine Insert-Effekte im Master

Bei mir folgt dann noch Voxengo’s Freeware SPAN – ein Frequenz-Analyzer – mit dessen Hilfe ich den Frequenzverlauf von meinem Mix und der Referenz schnell vergleichen kann und dann das IK Multimedias ARC II Plugin zur Frequenzkorrektur meines Raumes.

Die A/B Auswahl von AB Magic und auch die verschiedenen Referenzen lassen sich übrigens per MIDI automatisieren und bequem über einen Controller (oder TouchOSC) umschalten.

Wünsche und Anregungen

Magic AB ist ein einzigartiges und extrem hilfreiches Plugin, das mehr für den Gesamtsound tut, als so manches „aktives“ Plugin. Spinnt man die Idee etwas weiter, wären natürlich auch einige Erweiterungen denkbar. So hätte ich nichts gegen einen eingebauten Frequenz-Analyzer im Stil von SPAN samt Korrelationsmeter. Auch eine Möglichkeit Mitten- und Seitenbänder getrennt abzuhören und zu vergleichen wäre nett. Bei mir erledigen das IK’s ARC II und SPAN/Ozone 5, aber es würde einfach sehr gut zu diesem wunderbaren Plugin passen.

Das gefällt mir gut

  • vollkommen neue Idee
  • sehr einfach und durchdacht
  • automatisierbar

Das gefällt mir nicht so

  • was soll einem an einer solch brillanten Idee nicht gefallen?

Fazit

Magic AB von Sample Magic ist eine brillante Idee, die einwandfrei umgesetzt wurde. Nicht der X-te Kompressor oder Equalizer, sondern ein Plugin, das wirklich hilfreich ist.

Bedienung, Ausführung, Optik und Funktion ist über jeden Zweifel erhaben und die knapp 30 Euro sind wohl die beste und günstigste Investition in einen besseren Mix.

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