Wieder einmal ist der Auslöser für diesen Beitrag die Mail eines nachbelichtet-Lesers. Zwar kann ich nicht jede Mail an mich beantworten und auch keinen persönlichen Support bieten, aber manchmal sind die Fragen so interessant, dass ich auch gerne darauf eingehe. Heute geht’s um das Thema Farbräume und wie sie sich in Lightroom auswirken.

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Dieser Beitrag wurde 2013 veröffentlicht.
Seitdem hat sich viel getan und manche Informationen und Links sind vielleicht nicht mehr aktuell!

Die Frage von Roman lautete:

Folgt nachbelichtet auf Facebook, Twitter, Instagram, Pinterest und YouTube
„Ich fotografiere mit zwei Kameras einer Canon 5D MkII für anspruchsvollere Bilder und eine Fuji x100 für immer dabei.
Ich arbeite bei beiden Kameras im RAW Format. und habe bei beiden den Adobe RGB Farbraum eingestellt.
Ja ich weiß zu viel kann man den nicht brauchen, aber ich denke mir eben, wenn ich weniger fotografiere, dann bekomme ich nie den größeren Farbraum, in den kleineren kann ich umwandeln wenn gewünscht.
Jetzt sind mir folgende Dinge aufgefallen.
Die Bilder sehen von Canon und der Fuji unterschiedlich aus.
Stelle ich den Farbraum bei Canon um sieht die RAW in Lightroom importiert immer gleich aus ebenso am Kamerabildschirm.
Stelle ich den Farbraum bei der Fuji um, dann sieht die RAW im sRGB Modus kräftiger aus als im Adobe RGB am Monitor und am Kamerabildschirm.“

Adobe Farbraum und RAW?

Schauen wir uns zunächst einmal das Thema „Ich arbeite bei beiden Kameras im RAW Format. und habe bei beiden den Adobe RGB Farbraum eingestellt.“

Wer RAW fotografiert muss sich um den Farbraum erst einmal überhaupt keine Gedanken machen. Hier ist es auch egal, ob man AdobeRGB oder sRGB in der Kamera eingestellt hat, denn RAW kennt keinen Farbraum in dem Sinn. Das sind rohe Sensordaten, die den größtmöglichen Farb- und Tonwertumfang enthalten, welchen die Kamera hergibt und dieser ist noch deutlich größer als der AdobeRGB Farbraum.

Die Einstellung des Farbprofils, also sRGB oder AdobeRGB  in der Kamera, wirkt sich nur auf JPEG-Fotos aus!

Lightroom arbeitet intern mit einem Farbraum, der sich ProPhoto RGB nennt und ebenfalls deutlich größer ist, als AdobeRGB oder sRGB und damit die Vorteile des RAW-Formats ausnutzen kann.

Farbraumauswahl beim Export in Lightroom

Farbraumauswahl beim Export in Lightroom

Die Auswahl des Farbraums ist erst bei der Umwandlung, also dem Export der Fotos aus Lightroom von Interesse. Hier kann ich sRGB, AdobeRGB, ProPhoto RGB und sogar andere Profile bestimmen. Man kann also RAW-Dateien problemlos nachträglich in den gewünschten (kleineren) Farbraum umwandeln.

Warum sehen dann meine RAW-Fotos trotzdem anders aus?

Roman schreibt, dass die RAW-Fotos seiner Fuji X-100 in Lightroom trotzdem unterschiedlich aussehen wenn er sRGB oder AdobeRGB in der Kamera eingestellt hat. Der Grund dafür ist recht simpel:

Lightroom interpretiert jedes RAW-Foto und macht ein sog. Tonemapping, damit die RAW-Dateien überhaupt sinnvoll dargestellt werden. Dabei kann es sein, dass Einstellungen wie sRGB oder AdobeRGB der Kamera aus dem EXIF-Daten der Fotos gelesen und anders interpretiert werden, was dann zu einer unterschiedlichen Darstellung führt. Der Inhalt der Dateien und der Farbumfang ist aber identisch – Lightroom macht nur zunächst erst einmal etwas anderes daraus.

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Dieses Verhalten ist von der Kamera abhängig und Roman beschreibt ja auch, dass es bei Fotos von seiner Canon vollkommen egal ist, ob sRGB oder AdobeRGB eingestellt war und beide RAWs gleich aussehen würden.

Welchen Farbraum soll ich denn nun einstellen?

Wenn man hauptsächlich JPEGs fotografiert könnte man AdobeRGB nutzen, um wirklich mehr Farbinformationen und damit Spielraum für die Nachbearbeitung zu haben. Gerade im Grün-Bereich ist der Farbraum deutlich größer als bei sRGB, da unser Auge für Grün ganz besonders empfindlich ist und hier die meisten Abstufungen erkennen kann.

Damit Fotos mit AdobeRGB Profil aber auch im Webbrowser, auf dem Smartphone oder iPad richtig dargestellt werden, müssen sie wieder in den sRGB Farbraum umgewandelt werden, da sie ansonsten sehr leblos und flach aussehen. Auch Fotodienstleister für Papierabzüge, Fotoleinwände oder Fotoposter fahren ihre Belichter und Drucker meistens im sRGB Profil, da das schlichtweg die größte Verbreitung hat und der Durchschnittsknipser überhaupt nicht weiß, was ein Farbprofil sein soll. AdobeRGB ist auch häufig das Problem, wenn der Ausdruck nicht so aussieht, wie auf dem (kalibrierten) Monitor.

Vergleich sRGB und AdobeRGB nach der Bearbeitung in Lightroom - keine wirklichen Unterschiede sichtbar

Vergleich sRGB und AdobeRGB nach der Bearbeitung in Lightroom – keine wirklichen Unterschiede sichtbar

Wenn man wirklich den größten Spielraum bei der Bildbearbeitung haben möchte, sollte man auf das RAW-Format umsteigen. Will man den einfachsten Bearbeitungsworkflow und wenig Stress, setzt man auf JPEGs und das sRGB Profil, bei dem man die Bilder direkt von der Kamera zu Facebook & Co. hochladen oder an ein einem Print-Terminal im Drogeriemarkt ausdrucken kann.

AdobeRGB ist theoretisch besser, in der Praxis spielt der erweiterte Farbumfang jedoch keine wirkliche Rolle. Unter Umständen sehen sehr gesättigte Blau- und Rottöne sogar blasser aus, wenn sie mit AdobeRGB fotografiert wurden. Die digitale Bilderwelt ist auf sRGB ausgelegt und aus meiner Erfahrung bringt AdobeRGB nur unnötigen Stress.

Wer übrigens wirklich die maximale Farbtreue haben möchte besorgt sich eine solche Graukarte und macht nach dieser den Weißabgleich – entweder direkt in der Kamera bei JPEGs oder nachträglich in Lightroom, wenn man RAW-Fotograf ist.

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19 Responses

  1. Karin Creutzig

    Hallo,
    Ich habe ein Problem, bei dem mir bisher noch niemand helfen konnte. Wenn ich meine Bilder aus Lightroom 6 exportiere, haben sie eindeutig einen stärkeren Rotanteil, der sich besonders in den Hautfarben und Orangetönen bemerkbar macht. Ich fotografieren mit einer Canon Mark III und habe einen Eizo-Bildschirm. Sehe ich mir die Bilder dann auf meiner Internetseite an, so sind die Miniaturen roter, als die angeklickten vergrößerten Bilder. Letztere sind in den Farben dann wieder korrekt dargestellt. Interessanterweise tritt dieser Effekt nicht bei in Adobe Photoshop weiter bearbeiteten Bildern auf. Es müsste eigentlich irgendwie mit Lightroom zu tun haben. Ich exportiere als sRGb. Würde mich wirklich freuen von Dir zu hören.
    LG Karin

    Antworten
  2. Helmut Kruse

    Ich besitze einen EIZO CS 270, und habe diesen kalibriert. Fotografiere ausschließlich in RAW. Wenn ich nun eine Datei z.B, für ein Poster vorbereite, was wäre die sinncollste Vorgehensweise?

    1. AbogeRGB Farbraum beibehalten. Dann in PS der Datei das sRGB Profil zuweisen (weil das der Belichter verlangt), Dann die Datei so bearbeiten, wie man sie haben möchte. Dann den Proof „Zuschalten“

    oder

    2.Direkt ein Monitorprofil ertstellen, das auf den sRGB Farbraum abgestimmt ist.

    Theoretisch dürchte es ja keinen Unterschied machen. Ein JPG Datei mit einem eingebettetem sRGB Profil müßte doch auf dem EIZO gleich aussehen, egal welches Monitorprofil ich nutze, da ja sRGB indem Adobe RGB Farbraum enthalten ist, oder?

    Antworten
    • nachbelichtet

      Wenn du AdobeRGB den sRGB Farbraum zweist, hast du ja schon den (in der Praxis wirklich vernachlässigbaren) erweiterten Farbraum von AdobeRGB verworfen. Welchen Proof würdest du denn dann „zuschalten“?

      Warum nicht einfach den Farbproof in Photoshop auf sRGB einstellen und damit testen? Deine Datei kann bis zum Abspeichern im original Farbraum bleiben und am Monitor musst du auch nichts umstellen. Allerdings ist die Frage, ob sich der Aufwand bei einem Belichter lohnt, der keine eigenen ICC-Profile anbietet. sRGB sagt ja noch nichts über die Ausgabe aus, so lange nicht das Profil des Printers, des Mediums etc. bekannt ist. Saal Digital macht das z. B. http://www.saal-digital.de/service/icc-profil/ und gibt einige Tipps

      Antworten
  3. Thomas Isella

    Hallo Markus, vielen Dank für die sehr gute Erläuterung! Endlich habe ich eine plausibel Erklärung, warum Sony RAW-Bilder je nach Einstellung sRGB oder AdobeRGB in LR unterschiedlich aussehen und bei Canon sehen sie immer gleich aus. Anscheinend ist das Exif-Dateiformat nicht genormt und Sony macht sowieso immer alles anders, oft zum Leidwesen des Verbrauchers.

    Antworten
  4. Peter Marbaise

    Das mit der Graukarte stört ein wenig, weil die meisten Graukarten eher wegen des 18% Grau für eine korekte Belichtungsmessung zu sorgen, weil hierauf die Belis eingerichtet sind. Anderseits ist in deinem Amazon Link auch die X-Rite (http://www.tuxoche.de/2013/04/26/die-etwas-andere-graukarte/) enthalten, mit der sich auch in schwierigen Situationen ein perfekter bis guter Weissabgleich gelingt. In der Kombination it einer guten Kalibrierung des Monitors wird die Sache perfekt.

    Antworten
  5. Mark

    Lieber Herr Dollinger,

    vielen Dank für den sehr informativen und leicht verständlichen Beitrag.

    Ich habe eine Frage bezüglich der Konsequenzen auf die Systemausstattung aus der vorgenannten Empfehlung für den sRGB-Farbraum: Reicht bei konsequenter Anwenung von sRGB nicht ein (deutlich günstigerer) Monitor aus, der eine möglichst vollständige sRGB-Abdeckung hat und sind damit die von vielen propagierten Monitore mit hoher Adobe-RGB-Abdeckunge (u.a. ein von Ihnen hier getesteter Eizo CG245W ) nicht unnötig und überdimensioniert ?

    Vielen Dank & freundliche Grüße,
    Mark

    Antworten
    • Markus Dollinger

      Das kommt wie immer darauf an …

      Ein ordentlicher Monitor mit Kalibrierung sollte dem Hobbyanwender und dem anspruchsvollen Amateur durchaus genügen, zumal ein Feature ganz wichtig ist: Erfahrung!

      Natürlich ist ein EIZO CG245W eine tolle Sache, aber eben entsprechend teuer. Grundsätzlich bin ich auch der Meinung, dass zu viel in primäres Fotoequipment wie Kamera, Objektive etc. und zu wenig in „sekundäres“ Equipment wie ein gutes Display mit Einmessung investiert wird, was im Endresultat oft mehr bringen dürfte.

      Antworten
  6. Martin Felder

    interessanter bericht. was mich noch interessieren würde wäre, der farbraum mit der lightroom intern arbeitet, ob dieser auch 10 bit unterstützt also einen farbraum von über 1 milliarden farben. grund für die frage ist, ich habe mir einen EIZO SX2762W gekauft und möchte möglichst den 10 bit farbraum nutzen können. wie ist das eigentlich dann in lightroom 5?

    Antworten
    • Markus Dollinger

      Adobe arbeitet intern komplett mit 16 bit. Der Farbraum bei Lightroom nennt sich „MelissaRGB“ entspricht aber 100 % dem AdobeRGB Farbraum. Ich habe hier auch einen Eizo 2762 und trotzdem wird es in der Praxis wohl kaum eine Rolle spielen, zumal sämtliche Ausgabeziele einen weitaus kleineren Farbraum besitzen (Druck, Belichtung, TV etc.).

      Das sind in der Praxis theoretische Sachen – die richtige Bearbeitung und vor allem: Das gute Foto, spielen eine deutlich größere Rolle 😉
      … und unser Auge (oder besser gesagt: unser Gehirn) kann ohnehin nur um die 2,5 Mio Farben und gerade mal so 100 Helligkeitsabstufungen wahrnehmen …

      Antworten
      • Martin Felder

        @Markus Dollinger Dann hast du in diesem Fall keine spezielle Grafikkarte gekauft, welche die 10 Bit untestützt? Wie bist du mit dem Bildschirm zufrieden?

      • Markus Dollinger

        Ich bin mit dem Bildschirm sehr zufrieden und habe ihn an einer ATI HD6670 betrieben und bin nun bei einer NVidia GTX650 TI Boost angekommen, da mir das etwas mehr „Bumms“ bei Adobe Premiere bringt. Ich würde mir um das 10 Bit Gedöns keine Gedanken machen …
        Wenn du das möchtest, müsstest du auf eine NVidia Quadro oder eine ATI FirePro oder FireGL mit den entsprechenden Preisen gehen. Bringen tuts wohl wenig …

  7. Die WENZEL Gruppe (@wenzelgruppe)

    Lieber Herr Dollinger, danke für das direkte Ansprechen zu diesem Thema auf Twitter.
    Ich habe mich dazu mal mit meiner Kollegin zusammengesetzt und aus „Druckerei-Sicht“ kann man zum RGB-Farbraum sagen, dass dieser für den Druck nicht sehr viel bringt – und das gilt dann entsprechend auch für Adobe RGB, denn der Farbraum zum Drucken ist stets CMYK. CMYK ist ein kleinerer Farbraum als RGB, dadurch scheinen die Bilder oft blasser / matter als im RGB.
    Im Großformatdruck (Einzelauflage) hat es sich durchgesetzt, dass die Daten auch in RGB angeliefert werden dürfen, da einige Systeme inzwischen gute Konverter haben. Im Offsetdruck wäre an Datenanlieferung in RGB nicht zu denken.
    Grundsätzlich gilt daher: Wandelt der Nutzer sein Bild selbst in CMYK für den Druck, bleiben ihm im Ergebnis die „bösen Überraschungen“ erspart.

    Antworten
  8. Christoph

    Hinzu kommt, dass bei JPEG mit 8 Bit pro Farbkanal die Farbabstufung im AdobeRGB Farbraum höher ist, auch nicht unbedingt ein Vorteil…
    Viele Informationen zum Thema Farbräume, Farbmanagement und mehr finden sich sehr verständlich erklärt übrigens auf http://foto.beitinger.de/

    Antworten
  9. Sorry

    Hi,
    Gut erklärt. Kleine Anmerkung : LR verwendet intern MelissaRGB, welches ProPhoto mit einem Gamma von 1.0 entspricht.

    Antworten
  10. Schmalzgruber Roman

    Hallo Markus

    Super Beitrag zum Thema.
    Also so wie ich das sehe bleibe ich einfach bei RAW und entscheide dann was ich mit dem Bild mache.
    Super anschaulich erklärt.

    Vielen Dank
    Roman

    Antworten
    • hp

      Das ist ein interessanter Blog. Ich habe aber nicht verstanden, was ich tun muss, damit mein Foto auf dem Bildschirm auch in Lightroom so aussieht, wie ich es in anderen Bildbetrachtern sehe. Das rot ist in LR wesentlich flauer.

      Antworten
      • nachbelichtet

        Ohne Kenntnis darüber, welches Betriebssystem (Version), welche Lightroom-Version, welchen Bildbetrachter, welchen Monitor du benutzt und welche Fotos du vergleichst (RAWs, exportierte JPGs mit welchem Farbraum exportiert?) etc. kann man da gar nichts sagen.

        Eine Google-Suche zum Thema Lightroom Farbraum ICC Profile etc. kann auch schon weiterhelfen.

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