Digitale Spiegelreflexkameras mit Videofunktion gibt es nun schon seit fast 4 Jahren, als Nikon mit der D90 das erste videofähige Modell vorgestellt hat. Seitdem wurden immer bessere und ausgefeiltere Videomöglichkeiten integriert und mancher kauft eine DSLR nur wegen dieser Funktion. Ich möchte dir hier ein paar Tipps zum Filmen mit Spiegelreflexkameras geben.

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Dieser Beitrag wurde 2012 veröffentlicht.
Seitdem hat sich viel getan und manche Informationen und Links sind vielleicht nicht mehr aktuell!

Mit der Canon EOS-1D C wurde dieser Bereich nun auch um einen weiteren Meilenstein erweitert, denn die 1D C ist die erste DSLR, die Videos im 4k Format (4.096 x 2.160 Pixel) unkomprimiert aufzeichnen kann.

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Digitale Spiegelreflexkameras sind zur Qualitativ hochwertigen Alternative zu weitaus teureren HD Videokameras mit Wechselobjektiven, wie der RED Scarlet geworden.

Mit allerlei Zubehör wie Kamera-Rigs, Fokusfernbedienungen, externen Monitoren und sogar rotierenden Mattscheiben für den echten Film-Look, werden sie mittlerweile auch in großen Produktionen eingesetzt und einzelne Episoden von Serien wie Dr. House, wurden schon komplett mit einer Canon EOS 5D Mk II gedreht.

Der vergleichsweise große Bildsensor einer digitalen Spiegelreflexkamera ermöglicht eine gute Bildqualität bei gleichzeitig hoher ISO-Empfindlichkeit und geringem Bildrauschen. Durch eine große Auswahl von Objektiven stehen weitaus mehr Möglichkeiten zur Bildgestaltung zur Verfügung, als bei einer gleichteuren Videokamera, und Festbrennweiten bieten höchste Schärfe bei gleichzeitig geringer Schärfentiefe.

Gerade die geringe mögliche Schärfentiefe und die Freiheit mit Schärfeebenen zu arbeiten, haben DSLR’s so populär für Videofilmer gemacht, erzeugt doch genau das den gewünschten „professionellen“ Film-Look.

Einige Dinge, die du beim Filmen mit deiner Spiegelreflexkamera beachten solltest und welches Zubehör das Filmen mit der DSLR erleichtert, habe ich hier einmal zusammengefasst.

Benutze immer ein Stativ

Wer kennt nicht die Urlaubsvideos der Freunde, die wie das „Blair Witch Project“ aussehen. Wackelige Handkamera und Kameraschwenks aus der Hölle. Davon, dass die Filme gänzlich ungeschnitten sind und niemand wirklich 10 Minuten der Landung eines Flugzeugs zusehen möchte mal ganz abgesehen.

Bilora Video Pro Stativ

Der erste Weg zum guten Video geht über ein ruhiges Bild. Daher solltest du die Kamera grundsätzlich auf ein Stativ montieren. Ein gedämpfter Videoneiger ermöglicht sanfte Schwenks. Ein gutes und günstiges Modell ist z. B. das Bilora Video Pro, verfügt es doch über einen erstaunlich guten und ruckfrei bewegbaren Kopf – nicht jeder kann gleich 1000 Euro oder gar 8000 Euro für ein Sachtler Kamerastativ ausgeben …

Normale Dreibein-Fotostative sind hingegen nicht sonderlich für Videodrehs geeignet, da sich die Beine beim Schwenken verdrehen können, was wiederum zu unruhigen Aufnahmen führen kann.

Wenn du – etwa für Actionaufnahmen – kein Stativ benutzen kannst oder willst, ist ein kleines Kamera-Rig, das gleichzeitig wie eine Steadycam wirkt und damit die Kamera auch ruhig hält wenn sie bewegt wird sinnvoll. Hier gibt es das Opteka X-Grip, das durch seinen Henkel eine ruhige Kameraführung ermöglicht. Die Kamera kann – je nach Modell, Gewicht und Objektiv – optimal ausbalanciert werden und am Griff lassen sich auch Digitalrecorder oder LED-Videoleuchten befestigen.

Opteka X-Grip Kamera-Rig

Das Opteka X-Grip gibt es für unter 30 Euro und ist jeden Cent wert!

Wenn du Objektive mit Bildstabilisator in deiner Ausrüstung hast, solltest du unbedingt den Stabilisator ausschalten, da dieser einen Kameraschwenk erst einmal als Wackeln einstuft und damit ruckelige Bilder erzeugt. Bildstabilisatoren in Objektiven sind ausschließlich für Fotos gedacht und ausgelegt.

Noch ein Tipp für Videos von Kindern und Haustieren: Auch wenn es mühsam und anstrengend ist, muss man unsere Liebsten immer aus Augenhöhe filmen (und fotografieren). Andernfalls wirken sie „klein gemacht“ und unnatürlich. Wie oft sehe ich Väter (und Mütter), die ihren Kids auf den Scheitel filmen, was nur noch mit einem „Ach schau doch mal in die Kamera und lach mal!“ getoppt werden kann.

Dazu eine Anekdote die ich in Österreich erlebt habe: In einem Café saßen am Nebentisch Einheimische mit einem Kind und wollten es (natürlich von oben) fotografieren. Der Kleine wollte nicht so recht, weshalb ihn seine Mutter mit den Worten „Etza lachst gfälligst mal in’d Kamera, sonst kriagst a Botschn!“ motivieren wollte, was seltsamerweise nicht zum gewünschten Erfolg führte. „A Botschn“ gab’s aber zum Glück auch keine …

Vermeide schnelle Kameraschwenks und Zoom

Amateurvideos zeichnen sich immer durch schnelle und unnötige Kameraschwenks aus. Dazu wird dann noch der Zoom heraus und hineingefahren wie ein Kolben im Moped. Für ein gutes Video ist es wichtig, dass du dich für Einstellungen entscheidest. Das ist auch für den Betrachter wichtig, damit er den Zusammenhang zwischen verschiedenen Szenen und Einstellungen erkennen kann.

Möchtest du ein Detail in einer Landschaft zeigen, solltest du erst einmal einen Überblick mit einer Totalen geben damit der Zuschauer weiß, wo er sich befindet. Nun zoomst du nicht aus dieser Einstellung zum Detail, sondern machst einen neuen Take, bei dem du deine Kamera schon fix und fertig auf dieses Detail eingestellt hast.

Die Unterschiede habe ich einmal in diesem Video zusammengefasst, was natürlich kein filmisches Meisterwerk sein soll.

Bei einer digitalen Spiegelreflexkamera ist es ohnehin sehr schwierig den Zoom und gleichzeitig die Schärfe zu regeln, denn auf den Autofokus solltest du völlig vollständig verzichten: Zu lahm und zu unruhig.

Das ist übrigens auch der Punkt, warum viele mit den Videofunktionen ihrer DSLR unzufrieden sind: Sie erwarten Verwacklungsschutz und den Autofokus eines einfachen Camcorders. Wer aber mit einer DSLR filmt, möchte über dieses Niveau hinaus.

Zoomfahrten sind nur sehr selten notwendig und sinnvoll und erfordern viel Fingerspitzengefühl, wenn sie auch noch gut aussehen sollen. Um einen Übergang zwischen zwei Standorten darzustellen, kann man schön mit Unschärfe arbeiten: Von der Scharfeinstellung langsam mit dem Fokusring in die Unschärfe stellen und bei der nächsten Szene genau umgekehrt.

Kameraschwenks solltest du ebenso sparsam verwenden wie Zoomfahrten und ausschließlich mit einer Weitwinkeleinstellung machen, da diese sonst gerne verwackeln. Vor- und nach dem Schwenk 2-3 Sekunden unbewegt aufnehmen und nie zurückschwängen! Das „Abschwenken“ einer Szene überlassen wir lieber den Touristen auf Malle.

Sehr viel besser ist es jedoch verschiedene Einstellungen ohne Kameraschwenk zu verwenden, wenn man größere Motive darstellen will.

Durch das Zusammenspiel verschiedener Einstellungen zu einer Szene wird ein Video erst richtig „filmisch“.

Licht und Schärfe

Bei DSLR’s gibt es gerne Probleme mit Licht von Leuchtstoff- oder Energiesparlampen. Diese flackern mit 50 Hz Netzfrequenz, was sich in unschönem Flimmern in der Aufnahme äußern kann.

Viele Kameras haben eine einen Menüpunkt „Flimmern reduzieren“, was jedoch meist nur geringfügig hilft. Viel wichtiger ist es darauf zu achten, dass man die Verschlusszeit der Kamera auf 1/25, 1/50 oder 1/100, also einem geraden Teil oder Mehrfachen der Netzfrequenz einstellt.

Professionelle Videobeleuchtung arbeitet übrigens noch immer mit „Glühfadenlampen“, also Halogenlampen wie z. B. der CP41 Halogenlampe, die zwar 2000W Leistung hat, aber nur 400 Betriebsstunden hält.

Leuchtstoff-Flächenleuchten für den Videoeinsatz haben hingegen ein Hochfrequenzvorschaltgerät eingebaut, welches die Lampen mit einer höheren Frequenz als herkömmliche Leuchtstofflampen betreibt.

Das Thema Schärfe ist ein ganz wichtiger Punkt beim Filmen mit der DSLR. Offene Blenden und längere Brennweiten führen zu einer sehr geringen Schärfentiefe, die oft nur einige Zentimeter beträgt. Zwar kann man den Autofokus der Kamera bemühen, dieser ist aber meist recht langsam und auch nicht unbedingt genau.

Das Spiel mit Schärfe, Unschärfe und Schärfeebenen ist zudem eines der wichtigsten Stilmittel beim Film, weshalb diese grundsätzlich manuell eingestellt oder „gezogen“ wird. Beim Film gibt es ja auch einen extra Schärfeassistenten, der für das „Schärfeziehen“ verantwortlich ist. Wichtig: Eine Schärfeassistentin ist nicht das Gleiche wie eine scharfe Assistentin! Höhö …

Ab etwa 10 Metern (je nach Objektiv, Blende und Brennweite) wird das manuelle Scharfstellen immer einfacher. Möchte man jedoch einen näher kommenden Darsteller fokussieren, wird es ohne richtige Kontrolle sehr schwer den richtigen Schärfepunkt zu finden.

Manche Filmer messen den Abstand von der Aufnahmeebene (also vom Sensor) bis zu bestimmten Punkten im Set und markieren diese auf ihrem Fokusring an der Kamera. Da dieser aber im Gegensatz zu einer richtigen Filmkamera bei einer DSLR auch schwerer zu erreichen und recht unsensibel bedienbar ist, gibt es hier Adapter, die das Schärfeziehen seitlich an der Kamera ermöglichen, wie hier beim Quenox-Rig

Quenox Kamera-Rig mit Schärfeadapter

Das Kameradisplay ist keine gute Hilfe bei der Schärfeeinstellung, denn die kleinen hochauflösenden Displays lassen alles schärfer aussehen, als es eigentlich ist. Abhilfe schaffen externe HDMI-Monitore mit sog. Peaking. Das Peaking zeigt im Monitor eine farbige Markierung um die Bereich, die innerhalb des Schärfebereichs liegen, die übrige Darstellung ist dann Schwarzweiß.

Ein recht preisgünstiger und ordentlicher Vertreter dieser Monitorgattung ist der Sony CLM-V55, der am HDMI-Ausgang der Kamera angeschlossen und mit Akkus betrieben wird.

Sony CLM-V55 tragbarer Monitor für Foto- und Videokameras

 

Der richtige Ton

Unsere Kameras haben zwar Mikrofone für Stereoaufnahmen eingebaut, diese sind aber nicht mehr als eine Krücke, da sie Handgeräusche von der Bedienung der Kamera ebenso aufnehmen, wie Windgeräusche.

Die erste Möglichkeit für eine guten Filmton ist ein externes Richtmikrofon, das auf den Blitzschuh der Kamera aufgesteckt werden kann. Bekannte und gute Modelle sind das Sennheiser MK400 und das Rode VideoMic. Für diese Mikrofone gibt es auch Windschutzaufsätze – auch „Deadcat“ genannt, weil sie wie eine überfahrene Perserkatze aussehen.

Rode Videomic Pro

Diese Zusatzmikrofone werden am Mikrofoneingang der Kamera angeschlossen und dieser ist leider oft auch für schlechten Ton verantwortlich. Manche Eingänge rauschen oder sind von einem hochfrequenten Fiepen überlagert. Manche lassen sich nicht manuell aussteuern und „pumpen“ dann je nach Schallpegel.

Möchte man noch mehr Einfluss auf die Tonqualität, hilft ein externer Digitalrecorder. Diese sind in den letzten Jahren immer zahlreicher und auch günstiger geworden. Praktisch ein Standard im Amateur- und Semi-Profi Bereich ist der Zoom H4n, den ich hier ausführlich im Video vorgestellt habe.

Zoom H4n auf einer DSLR montiert

Mein wichtigster Tipp

Meinen wichtigsten Tipp möchte ich dir nicht vorenthalten:

Wenn du bessere Filme machen möchtest, brauchst du nur beim Fernsehen etwas genauer hinsehen. Gerade Serien wie der Tatort etc. zeigen meist hervorragende Kameraarbeit und auch wie ein guter Schnitt auszusehen hat.

Über entsprechende Adapter lässt auch er sich auf den Blitzschuh oder an einem Kamera-Rig montieren und sorgt für optimale Tonqualität. An die XLR-Buchsen lassen sich zusätzliche Mikrofone z. B. für Interviews anstecken und sogar auf getrennten Tonspuren aufnehmen.

Zu einem guten Filmton gehören die sog. Atmos, also eine Aufnahme der Umgebungsgeräusche, die dann bei der Bearbeitung z. B. mit denen eines Sprechers gemischt werden. Daher sollte man auch immer einige Minuten Umgebungsgeräusche aufnehmen. Führt man etwa ein Interview in einer belebten Innenstadt, ist es sehr hilfreich Atmos zur Verfügung zu haben, die bei späteren Schnitten für einen gleichmäßigen und authentischen Hintergrundsound eingesetzt werden können.

Noch idealer sind Funkstrecken mit kleinen Ansteckmikrofonen. Damit kann sich der Sprecher oder Darsteller frei bewegen und das Ansteckmikro sorgt auch bei Hintergrundgeräuschen für eine gute Sprachverständlichkeit. Eine recht preiswerte Lösung ist die AirLine von Samson. Der Funkempfänger wird mit Batterien betrieben, ist sehr kompakt und kann auf die Kamera montiert werden.

Samson Funkempfänger und Sender

Alles synchron halten

Wenn man mit einem externen Audiorecorder den Ton aufzeichnet oder gar mit mehreren Kameras und unterschiedlichen Einstellungen arbeitet muss man sich auch darum kümmern, dass die alle Aufnahmen später im Schnittprogramm synchronisiert werden können.

Klassisch und bekannt ist die „Klappe“. Auf dieser stehen Infos zum Take, vor allem aber sorgt sie für ein sicht- und hörbares Ereignis auf allen Aufnahmegeräten. Dieses Bild- und Tonereignis kann man dann dazu nutzen, um die verschiedenen Quellen so aneinander anzugleichen, dass sie synchron laufen. Wenn man den eigentlichen Kameraton eines Sprechers, durch den eines externen Audiorecorders ersetzt, möchte man ja auch, dass Bild und Ton Lippensynchron laufen.

Marker-Slate: Kostenlose Klappen-App für das iPad

Im einfachsten Fall genügt zwar auch ein Händeklatschen, mit einer Klappe wird es aber noch praktischer, besonders wenn man eine der iPad Klappen-Apps benutzt. Ich setze die kostenlose i-Pad App „Marker Slate“ ein, die außerdem einen Timecode bietet, der sich zwischen verschiedenen Frameraten umschalten lässt.

Damit kann man anhand des Timecodes und der Signalspitze in der Tonaufnahme die Spuren synchronisieren.

Das waren meine 5 Tipps für Videos mit der DSLR – und nicht nur mit dieser. Hält man sich an diese Grundregeln, hat man zumindest schon einmal gutes Material auf der Speicherkarte, welches dann durch den Schnitt zum Film wird. Hierzu gibt es demnächst eine kleine Einführung.

Zeig mir doch einmal deine Filme, die du mit deiner Spiegelreflexkamera gemacht hast – einfach den Link zu YouTube, Vimeo oder sonstwo als Kommentar posten! Gerne kannst du auch Details vom „Making of“ dazu schreiben.

 

 

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