Als heute der Kurier an der Haustüre klingelte und ein kleines Paket von T-Mobile in seinen Händen hielt, begannen meine fast etwas zu schwitzen. Der Kurier brachte mir nämlich das T-Mobile G1 Android Google Handy – oder wie man es auch immer nennen mag. Einigen wir uns auf G1. Mit gezieltem Schnitt entriss ich der […]

Dieser Beitrag wurde 2009 veröffentlicht.
Seitdem hat sich viel getan und manche Informationen und Links sind vielleicht nicht mehr aktuell!

Als heute der Kurier an der Haustüre klingelte und ein kleines Paket von T-Mobile in seinen Händen hielt, begannen meine fast etwas zu schwitzen. Der Kurier brachte mir nämlich das T-Mobile G1 Android Google Handy – oder wie man es auch immer nennen mag. Einigen wir uns auf G1.

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Mit gezieltem Schnitt entriss ich der Umverpackung ihren Inhalt. Eine unscheinbare, quaderförmige schwarze Box und darin das G1 in schwarz und jede Menge Zubehör. SIM-Karte eingelegt, Akku rein, anschalten, PIN eingeben und los ging meine erste außerirdische Erfahrung mit Android.

In der Hand

Handlich ist es, das Google-Phone, sorry: G1. Scharfes und helles Display, gut ablesbar, 3.2 Zoll Diagonale – prima! Aber weiter mit meinen ersten Eindrücken zum G1.

altEs ist nicht viel größer als mein jetziges Sony Ericsson P1, allerdings mit 159 Gramm gut 30 Gramm schwerer. Das matte Gehäuse, dass ein leicht gummiertes Feeling hat, liegt gut in der Hand und macht  hinsichtlich Verarbeitung und „Haptik“ einen guten Eindruck. Fairerweise muss man aber auch anmerken, dass das G1 nicht an den Chic des iPhones herankommt. Dafür macht es aber den Eindruck, dass es auch mal einen etwas unwirscheren Umgang wegstecken könnte.

Nach dem ersten Start kommt der übliche Einstellungsassistent für Sprache, Uhrzeit und natürlich für den Google-Account, denn der ist ja der Dreh- und Angelpunkt beim G1. Hier wird angeboten einen neuen Account zu erstellen oder einen vorhandenen zu nutzen. Da ich einen Google For Domains Account habe, möchte ich natürlich diesen auch nutzen, was kein Problem darstellt. Nachdem alle Daten über die ausklappbare und erstaunlich flüssig bedienbare Tastatur eingegeben wurden, befindet man sich in Androids Welt.

Bedient wird das G1 entweder über das Touchdisplay, was sehr gut funktioniert und auch mit etwas männlicheren Fingern gut zu bewerkstelligen ist, oder über die schon erwähnte, ausklappbare Tastatur. Ausklappbar ist da vielleicht nicht ganz der richtige Ausdruck. Die Minitastatur schwingt eher unter dem Gerät heraus und ist zudem Hintergrundbeleuchtet. Zusätzlich hat man noch eine zentrale Menü-Taste, Buttons für Anruf annehmen, auflegen, zurück und „Home“, sowie einen winzigen Trackball mit Tastfunktion, ähnlich wie man ihn von Blackberrys kennt. Diese kommt dann zum Einsatz, wenn man Links nicht mehr gezielt mit dem Finger erwischt. Mit dem Trackball kann man sehr schnell und sicher zu den einzelnen Links navigieren und diese durch einen Druck auf den Trackball anklicken.

Dass die wichtigsten Bedienelemente zum Telefonieren als richtige Hardware-Tasten ausgelegt sind, kann ich nur begrüßen, erlaubt das doch wenigstens eine blinde, fühlbare Bedienung. Zum Scrollen schubst man den Bildschirminhalt einfach mit dem Finger an und er scrollt dann sehr flüssig und ruckelfrei durch. Ebenso holt man sich die Hinweise für neue Mails etc. Einfach den kleinen Hinweisbalken nach unten „schubsen“ und schon wir er ausgerollt.

Browser, E-Mail, Internet

Zentrale Anwendungen für ein Smartphone, das praktisch immer im Netz ist, sind Browser und E-Mail. Der Android Browser basiert auf der WebKit Rendering-Engine, wie sie auch in Apples Safari oder dem Google Chrome Browser zum Einsatz kommt. Internetseiten werden zügig und korrekt formatiert dargestellt und auch AJAX-lastige Anwendungen lassen sich damit fehlerfrei nutzen. Leider kann der G1 Browser aber keine eingebetteten Flash-Animationen anzeigen. Youtube-Videos sind damit nur über die mitgelieferte YouTube-Applikation anzeigbar und nicht direkt im Browser. Ein Flash-Player für das G1 soll aber in Arbeit sein.

Durch HSDPA und EDGE flutschen die Inhalte zügig auf den Bildschirm und eingehende E-Mails werden per Push-Mail sofort zugestellt. Letztere können einfach aufgerufen, beantwortet oder neu verfasst werden – das Minikeyboard machts möglich. Allerdings kann  bei längeren Surfausflügen der Batterieanzeige beim Absinken fast zusehen …

Überrascht hat mich das gänzliche Fehlen eines Clients für den Google Reader. Noch mehr überrascht hat mich, dass die Google Reader Seite im Browser fehlerhaft dargestellt wird und nicht nutzbar ist. Der Ausweg geht derzeit nur über die speziell für das iPhone formatierte Version des Google Readers unter http://www.google.com/reader/i/. Für einen Feed-Junkie wie mich ist das mehr als unverständlich.

Der Messenger Google Talk ist wiederum als eigene Anwendung realisiert und bietet die bekannten Funktionen.

GPS, Google Maps und so

Der GPS-Empfänger ist standardmäßig ausgeschaltet, da dieser natürlich Energie aus dem Akku zieht und nicht immer notwendig ist. Im Betrieb überzeugt er durch gute Empfindlichkeit und wird zudem durch einen Lagesensor (der auch für die automatische Umschaltung der Displaydarstellung zuständig ist) und einen elektronischen Kompass unterstützt. Dies soll wohl einmal die realitätsnahe Streetview Darstellung ermöglichen. Durch den Lagesensor eignet sich das G1 übrigens auch prima als Wasserwaage – ehrlich!

Das GPS-Signal wird natürlich dazu genutzt, den aktuellen Standort bei Google Maps anzuzeigen, was auch einwandfrei funktioniert. Es lassen sich auch Routen planen. Durch das Fehlen von Sprachanweisungen oder wenigstens einer Pfeilnavigation, eignet sich das G1 nicht als Navi- garnicht – nada! Ob es daran liegt, dass Google Maps zu lange zum Nachladen brauchen, der Batteriekonsum bei ständigem Online- und GPS-Betrieb zu hoch ist oder man das einfach anderen überlassen möchte, ist nachvollziehbar.



surfred

Es gibt aber schon vielversprechende Entwicklungen für ein echtes Navi, so z.B. AndNav. Wer also besonderen Wert auf Navigationsfähigkeiten legt, sollte erst noch einmal abwarten, ob das G1 hierfür wirklich geeignet ist. Für die Orientierung in einer Stadt kann es aber schon jetzt gute Dienste leisten. Einige kostenlose Zusatzprogramme, die über den „Market“ direkt über das G1 aufruf- und installierbar sind, fügen z.B. einfachere GPS-Funktionen wie die Aufzeichnung von Tracks etc. hinzu. Über den „Market“ sind derzeit über 700, meist kostenlose Anwendungen für das G1 verfügbar.

altDie Kamera des Google Phones ist halt eine Kamera, damit das G1 eine Kamera hat …

Die Bildqualität ist eher bescheiden, der Weißabgleich schon fast erbärmlich. Zudem lassen sich keinerlei Einstellungen vornehmen, man kann also nur abdrücken. Video? Fehlanzeige! Das lässt sich aber über eine kostenlose Anwendung nachrüsten.

Der MP3 Player versteht sich auf das Abspielen von MP3, WMA und WAV-Formaten und kann Playlisten verwalten. Wegen des speziellen Anschlusses kann nur der mitgelieferte Kopfhörer angeschlossen werden. Der Klang ist damit für meinen Geschmack gerade noch ausreichend gut. Der Ton kann auch über den eingebauten Lautsprecher wiedergegeben werden, was dann aber wie zwei Murmeln in einer Blechbüchse klingt.

Nebenanwendung: Telefon

Tatsächlich kann man mit dem G1 sogar telefonieren! Kontakte werden mit denen im Googlemail Account automatisch synchronisiert und stehen als Telefonbuch zur Verfügung. Die Sprachqualität ist gut und das G1 bietet auch einen Freisprechmodus mit guter Verständlichkeit. Videotelefonie? Gibts nicht!

Selbstverständlich verfügt das Telefon auch über Bluetooth, sodass hier Freisprechanlagen etc. gekoppelt werden können. Allerdings beherrscht es nur die Profile für Monoheadset und Freisprecheinrichtung. Stereoheadset? Nada!

Zwischenfazit

Nach dem ersten Kontakt mit dem G1 ergibt sich für mich ein zwiespältiger Eindruck. Display, Verarbeitung und Handling können überzeugen, wenn man sie mit anderen Smartphones vergleicht  – das iPhone einmal ausgenommen. Die Internetfunktionen sind bis auf den fehlenden Google Reader gut gelöst und flüssig bedienbar.

Der Market ist voll mit Anwendungen und Spielen, die meist kostenlos sind.

Jämmerlich ist hingegen die eingebaute Kamera, die fehlende Videotelefonie, der Nutzwert von Google Maps in Verbindung mit dem eingebauten GPS-Empfänger und die (noch) mangelnde Flash-Unterstützung.

Größtes Manko: Die Akkulaufzeit. Wenn Pushmail, Bluetooth und GPS aktiviert sind, man ab und zu ein bisschen surft und Mails abholt, ist schnell Schluss. Das G1 frisst den Akku geradezu auf. Nach gerade einmal 3 Stunden intensiverer Nutzung, davon etwa 1/2 Stunde Websurfen, musste das G1 an die Steckdose.

Was kostets?

Schon mit dem kleinsten T-Mobile Vertrag XS, gibt es das G1 schon für 59,95€. Der Tarif kostet 24,95€ pro Monat enthält allerdings auch nur 200MB Datenvolumen, die in kürzester Zeit verpuffen. Interessant wird es mit der Datenflatrate, die ab den S-Tarif für 44,95€ zu haben ist und entweder eine Flatrate ins D1- oder ins Festnetz enthält. Das G1 ist dann für 1€ dabei. Von einer schnellen Datenflatrate kann man allerdings auch nicht sprechen, da beim Tarif S schon ab 300MB pro Monat auf nur noch 64kbit/s gedrosselt  und selbst im teuersten Tarif L für 119,95€ pro Monat (!!) ab einem Gigabyte Verbrauch auf 64kBit beschränkt wird.

Also?

Fans von Gadgets wie ich fragen nicht immer nach dem schnöden Preisleistungsverhältnis. Dazu macht so ein neues Gerät zuviel Spaß. Wer unterwegs ins Internet möchte und nicht ständig ein Netbook mit UMTS mitsich rumschleppen will, findet mit dem G1 ein tolles Gerät, mit dem man sogar telefonieren kann. Die Bedienung ist gut und auch fürs Schreiben von Mails und SMS eignet sich das G1 hervorragend. Der richtige WOW! Faktor bleibt jedoch bislang noch aus, was vielleicht daran liegt, dass die Android-Plattform noch sehr neu ist. Hier ist reichlich Platz für Verbesserungen und Erweiterungen. Richtig interessant könnte eine zweite Generation des G1 werden. Jetzt muss das G1 erst einmal zeigen, wie es im Alltag besteht. Schaut mal wieder rein!

LINKS:

T-Mobile G1 Produktseite
T-Mobile G1 Tarife

7 Responses

  1. anne

    Hast Du schon die shopping Anwendung barcoo ausprobiert? Sehr nett. Macht dein G1 zum Barcode-Scanner und liefert quasi sofort Preisvergleiche und Produktinfos. Gnaz neu sind jetzt auch Testberichte, kann ich also nur empfehlen.

    Antworten
  2. Karsten Petersen

    Was meinst du denn damit das die Seite vom Reader falsch dargestellt wird? Ich benutze den Reader taeglich aufm G1 und habe nicht bewusst irgendeine spezielle Seite dafuer eingestellt. (Meist benutze ich aber inzwischen den Browser „Steel“, einfach wegen Vollbild und Auto-Rotation.)

    Bzgl Akkulaufzeit: Das staendige automatische EMail Synchronisieren frisst Akku ohne Ende. Am besten Abschalten wenn mans nicht braucht.

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    • Markus

      Der Google Reader ist auf meinem Test-G1 praktisch nicht nutzbar, da er falsch formatiert dargestellt wird und nicht bedienbar ist.

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  3. Bodo Panitzki

    Eine gute erste Bewertung des Handys. Alle Tops und Flops gut und nachvollziehbar beschrieben.
    Ich werde mein Blackberry Curve nicht vermissen. Das G1 macht einfach nur Gaudi. Und ich bin auch sicher, dass etliche bugs und Defizite über die offene Android Plattform bald behoben werden. Bedenken habe ich wegen des arg geringen internen Speichers des Gerätes. Aber es wird wohl auch hier Pfiffikusse geben, die die Auslagerung weiterer Programme auf die externe Speicherkarte möglich machen. Ich bin gespannt, wie´s weitergeht.
    Gruß
    Pan.

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