Ich bin ja bekennender Dittsche-Fan, was außer meinem langjährigen musikalischen Mitstreiter Rainer kaum einer verstehen mag. In der ersten Folge der neuen Staffel „Dittsche“ vom 16.2.08 kommt der gleichnamige Hauptakteur ( dargestellt von Olli Dittrich) in den Knast. Und auf wen trifft er da? Auf einen Franken, also auf die Spezies von Mensch, zu der […]

Dieser Beitrag wurde 2008 veröffentlicht.
Seitdem hat sich viel getan und manche Informationen und Links sind vielleicht nicht mehr aktuell!

DittscheIch bin ja bekennender Dittsche-Fan, was außer meinem langjährigen musikalischen Mitstreiter Rainer kaum einer verstehen mag. In der ersten Folge der neuen Staffel „Dittsche“ vom 16.2.08 kommt der gleichnamige Hauptakteur ( dargestellt von Olli Dittrich) in den Knast. Und auf wen trifft er da? Auf einen Franken, also auf die Spezies von Mensch, zu der auch ich gehöre.

Typischer kann der fränkische Dialekt – der in unserer Gegend allerdings etwa alle 2 Kilometer anders ist – und die fränkische Seele wohl kaum dargestellt werden. Etwas maulfaul, immer sehr „down to earth“ gepaart mit einem oft zu unrecht als Desinteresse gedeuteten Tonfall. Auch Dittsche hatte mit einigen Formulierungen so seine Schwierigkeiten. „Dem würd‘ ich helfn“ meint dabei nicht, helfen im Sinne von behilflich sein, sondern mehr „zeigen wo’s lang geht“.

Beispiel: „Eich werd‘ i helfn, wenna fei ned main blogg lesn tut!“ (Euch werde ich zeigen wo es lang geht, wenn ihr nicht meinen Blog lest!“.

Oder: „Do hodda a boar auf die Leffl kriecht!“ („Da hat er ein paar auf die Ohren bekommen“, also die Anwendung leichterer, erzieherischer Züchtigungsmaßnahmen zur Verdeutlichung des eigenen Standpunkts).

„Fei“ ist dabei ein Attribut, dass einer Aussage mehr Gewicht und Wichtigkeit verleihen soll, schon Sprachwissenschaftler beschäftigt hat und es zu einem Eintrag bei Wikipedia gebracht hat. Als Franke nutzt man „fei“ häufig und gerne z. B. so: „An goudn Blogg zu schreim, is fei garned so einfach!“ („Einen guten Blog zu schreiben, ist ganz bestimmt nicht einfach!“)

Falls ihr euch nun für mein Land interessiert, hier die zehn wichtigsten Dinge, die ihr über Franken wissen solltet:

  1. Der Franke wirkt oft etwas ruppig in seiner Art, so erkundigt er sich z. B. nach der Uhrzeit mit „Sie, saangs amol – was hammer denn für Zeit?“, was aber nur meint: „Entschuldigung! Können Sie mir bitte die Uhrzeit sagen?“. Die Franken sind aber trotzdem ein herzliches und hilfsbereits Volk, wenn man einmal den Zugang zu ihnen gefunden hat.
  2. Der fränkische Plural unterscheidet sich sehr von der Empfehlung des Dudens, so z. B. der Hund und die fränkische Mehrzahl die Hünd.
  3. Franken hat die höchste Brauerei-Dichte der Welt. Jedes Kaff hat hier seine eigene Brauerei, darunter noch viele Hausbrauereien, die ganz besondere Bierspezialitäten herstellen. Ganz besonders möchte ich dabei die Biere meiner Heimatstadt Wunsiedel Hönicka Bräu und Lang Bräu herausstellen, die bei mir sehr bald die Muttermilch ersetzten 🙂
  4. Die Fränkische Küche ist über die Grenzen Frankens und des Freistaates bekannt. Dazu gehören als Beilage die fränkischen Klees („Kartoffelklöße“) und die Broodwärscht (Bratwürste). Eine Besonderheit stellt dabei die Stadt Hof mit dem „Wärschtlamo“ (Würstchenmann – hoffentlich steinigt mich jetzt keiner, ob dieser Übersetzung). Der Wärschtlamo ist wohl die Urform des Fastfoods, denn dieser steht in der Stadt Hof an jeder Ecke und verkauft Wiener, Bauernwürstchen, Weißwürste u.a. Spezialitäten direkt aus einem kunstvoll gefertigten Messingkessel, der mit Holzkohle beheizt wird. Zu meiner Zeit bei City Graphix (die Werbeagentur in der ich lange Zeit gearbeitet habe), begann jeder Morgen mit einem Paar „Bauern“ mit Senf auf dem Kessel, da mich mein Arbeitsweg durch die Hofer Altstadt, vorbei an zwei Wärschtlamännern, führte.
  5. Bekannte Franken der Neuzeit sind z. B. der Fernsehmoderator Thomas Gottschalk (Kulmbach), der ehemalige US-Außenminister Kissinger oder der frühere Fußballnationalspierl Lothar (Lodda) Matthäus
  6. Die fränkische Stadt Bayreuth steht einmal im Jahr im Mittelpunkt des Weltgeschehens, wenn die Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele stattfinden.
  7. Vom westlichen Franken rund um die Weinbauregionen von Würzburg bis zum Nordosten – dem „bayerischen Sibirien“ (wo ich lebe), gibt es sehr unterschiedliches Klima und eine abwechslungsreiche Natur. Diese läd zum Wandern, aber auch im Winter zum Skifahren (Fichtelberg oder Schwarzenbach am Wald) ein.
  8. Franken gehört zu Bayern, aber auch nicht. Die Altbayern (alles südlich des Weißwurstäquators, also der Donau) zählen Franken nicht zum „echten“ Bayern und die Franken wollen eigentlich keine Bayern sein. Leider ist gerade der Nordosten sehr strukturschwach und hat die höchste Arbeitslosigkeit in Bayern, aber auch bundesweit zählt man in dieser Disziplin leider zur Spitze.
  9. Der Franke Frank Markus Barwasser, besser bekannt als „Erwin Pelzig„, gehört seit einiger Zeit zu den Evangelisten, die das fränkische Wort ins ganze Land tragen. In seinem ARD-Programm „Pelzig unterhält sich“ fragt der Grimme-Preisträger Dinge in seiner typisch fränkischen Art, die sich manch anderer nicht trauen würde.
  10. Mit der letzten Dittsche-Episode tut Olli Dittrich mehr für den Bekanntheitsgrad von Franken, als die bayerische Landesregierung 😉

So, und jetzt reingehört in die besagte Folge von Dittsche und fleißig fränkisch gelernt!

Eine Antwort

  1. anne

    erstaunlich wie man sich im eigenen land fremd fühlen kann, wenn man die leute einfach nicht versteht. mir als mecklenburgerin mit fränkischen bekannten schon des öfteren passiert. dafür hab ich jetzt den eindruck gewonnen, fischköppe und franken passen eigentlich wunderbar zusammen: sie klingen für den rest des landes ruppig, haben eine schöne natur und jede menge alkoholiker, dazu noch ein paar sehr rar gestreute promis (bei mir frau merkel). prost!

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